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Das Institut der letzten Wünsche

Story:

Die verträumte, fantasievolle Mathilda arbeitet zusammen mit der ehemaligen Notärztin Ingeborg im "Institut der letzten Wünsche", eine kleine Einrichtung, die es sich zum Ziel gemacht hat, die letzten Wünsche von unheilbar kranken Menschen zu erfüllen. Weihnachten im August, ein Ritt auf einem Pferd im Sommerkleid, Schnee im Hochsommer - die beiden Frauen setzen alles daran, den Todgeweihten zu ein wenig Glück zu verhelfen. Als eines Tages der 40-jährige, krebskranke Birger vor der Tür des Instituts steht und den Wunsch äußert, dass nach seiner Jugendliebe Doreen gesucht wird, die einst mit seinem ungeborenen Kind verschwunden ist, nimmt sich Mathilda seiner an. Doch schnell wird der Mann zu einem ihrer größten Probleme, da sie sich in ihn verliebt und damit eine der beiden Regeln des Instituts der letzten Wünsche bricht …



Meinung:

Der Roman "Das Institut der letzten Wünsche" stammt von der deutschen Autorin Antonia Michaelis, die mit ihren Kinder- und Jugendbücher bekannt geworden ist. So wurde beispielsweise ihr Roman "Der Märchenerzähler" 2012 für den Deutschen Jugendliteraturpreis und den Buxtehuder Bullen nominiert, ebenso gewann das Jugendbuch mehrere renommierte Preise.

Im Gegensatz zu ihren eher fantastischen Kinder- und Jugendbüchern, legt sie mit "Das Institut der letzten Wünsche" einen realistischen, belletristischen Roman vor, der sich an eine erwachsene Zielgruppe richtet. Den Leser erwartet ein originelles, skurriles und trotz (oder gerade wegen) der ernsten Thematik lebensbejahendes Buch, das sowohl unterhält, als auch zum Nachdenken anregt. Auf ihre ganz eigene, lockerleichte Art entführt sie den Leser in "Das Institut der letzten Wünsche" und rückt die Themen Krankheit, Tod und Sterbehilfe ins Zentrum er Geschichte. Wer nun einen melancholischen, traurigen und deprimierenden Roman erwartet, irr sich. Antonia Michaelis setzt der ganzen Dramatik die kindliche, naive Mathilda entgegen, die zumeist den Kopf in den Wolken hat und auf ihre ganz eigene Art mit den alten Menschen und deren Schicksalen umzugehen weiß. So ist das Buch unerwartet erheiternd und amüsant, was vor allem an den unterschiedlichen Figuren liegt und der unkomplizierten Herangehensweise. So verzichtet die Autorin auf Klischees - sei es bei der Liebesgeschichte zwischen Mathilda und Birger, oder bei den dramatischen Todesfällen. Dies fällt mehr als positiv ins Gewicht, da man immer wieder überrascht wird, sei es durch unerwartete Wandungen innerhalb der Geschichte oder dank der abstrusen Wünsche der Todgeweihten.

Dennoch hat das Buch mitunter seine Längen - gerade der Anfang und die Suche nach Doreen zieht sich ein wenig, so dass man ein wenig Durchhaltevermögen braucht, bis es endlich spannender und interessanter wird. Zudem verliebt sich Mathilda zu Beginn einfach zu schnell in Birger. Hier wäre es schöner gewesen, wenn sich ihre Gefühle erst nach und nach ändern, immerhin gibt es durch die Suche nach Doreen genug Zeit für eine langsame Annäherung zwischen den beiden. Auch werden ein paar Handlungsstränge angeschnitten, jedoch nicht weiterverfolgt: Mathildas Kindheit, die erst am Ende in zwei Sätzen erklärt wird, Ingeborgs Liebesleben, das mit für eine kleine (aber nicht gänzlich unvorhersehbare) Überraschung sorgt und Mathildas Ex Daniel, der als Arzt in die Berliner Charité zurückkehrt. Es wäre schön gewesen, wenn die Autorin diese Punkte mit mehr Tiefgang behandelt hätte.

Dafür besticht "Das Institut der letzten Wünsche" durch sehr spezielle, durchweg interessante Charaktere, die fernab der gängigen Normen liegen. Sei es Mathilda mit ihrer kindlichen, gutherzigen Art, die spröde, sachliche Ingeborg oder der verschrobene, chaotische Birger - keine Figur passt in ein bestimmtes Schema, da sie alle etwas Besonderes sind. Dass sie trotz allem authentisch und greifbar sind und dem Leser im Gedächtnis bleiben, ist die große Stärke des Romans. Auch die Nebenfiguren sind sehr liebevoll ausgearbeitet und passend in Szene gesetzt. Es macht Spaß die unterschiedlichen Charaktere zu begleiten und sich von Mathildas sonderbarer Sicht auf die Dinge mitreißen zu lassen.

Ein weiterer Pluspunkt ist Antonia Michaelis' ungewöhnliche Stil, der sich angenehm von den meisten deutschsprachigen Autoren abhebt. Er besticht durch Metaphern, eine bildhafte Sprache und eine gewisse Poesie, die man heutzutage selten findet. Zudem hat die Autorin hat ein Händchen für witzige und dramatische Dialoge, stimmungsvolle Beschreibungen und außergewöhnliche Szenen und Charaktere. Sie vermag Tragisches und Trauriges in solch gefühlvolle und zeitgleich amüsante Worte zu verpacken, dass man solche Szenen mit einem lachenden und einem weinenden Auge liest, und gleichzeitig zum Nachdenken und Diskutieren angeregt wird.



Fazit:

"Das Institut der letzten Wünsche" ist ein wundervoller, stimmungsvoller und tiefgründiger Roman, der durch ungewöhnliche, liebenswerte Charaktere und einen sehr schönen, bildhaften Schreibstil besticht. Hin und wieder hat Antonia Michaelis' Geschichte um Liebe, Träume und Tod seine etwas zähen Momente und einige Aspekte bleiben zu oberflächlich, das trübt den Gesamteindruck noch marginal. Allen, die ungewöhnliche und nicht kitschige Romane mögen, zu empfehlen.



Das Institut der letzten Wünsche - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Antonia Michaelis
Das Institut der letzten Wünsche
Erscheinungsjahr: 2015



Autor der Besprechung:
Juliane Seidel

Verlag:
Knaur

Preis:
€ 19,99

ISBN:
978-3426653654

496 Seiten
Positiv aufgefallen
  • sympathische, außergewöhnliche Charaktere
  • tiefgründige, stimmungsvolle Handlung
  • sehr schöner, bildhafter Schreibstil
  • nicht kitschige Liebesgeschichte
Negativ aufgefallen
  • teilweise Längen
  • einige Passagen zu oberflächlich behandelt
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Rezension vom: 28.09.2015
Kategorie: Rezensionen
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