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Vergeltung - Don Winslow

Story:

Ein Flugzeug stürzt über New York City ab. An Bord befinden sich Dana und Jacke, Ehefrau und Sohn des ehemaligen US-Elitesoldaten Dave Collins, der bald auf Hinweise stößt, die einen Unfall unglaubwürdig machen. Weil seine Regierung die Fakten verschleiert und nichts unternimmt, wärmt Dave alte Kontakte auf, stellt ein Spezialistenteam aus Söldnern zusammen und eröffnet die Jagd auf die Terrorgruppe, die hinter dem Anschlag steckt und nach wie vor im Verborgenen operiert…



Meinung:

Thriller-Spezialist Don Winslow ("Kings of Cool", "Zeit des Zorns" - unter dem Originaltitel "Savages" 2012 von Oliver Stone verfilmt) siedelt seinen neuesten Roman im von Anschlägen und dem Krieg gegen den Terror gezeichneten Amerika dieser Tage an. Damit ist er hochaktuell, greift - insbesondere für die amerikanische Leserschaft - Themen von größter Wichtigkeit und Relevanz auf und zeichnet ein Szenario der Gegenwart, über welches durchaus in dieser Form morgen in den Nachrichten berichtet werden könnte. Das verleiht dem Werk seine ganz besondere Brisanz, die vor allem auf Winslows amerikanischem Heimatmarkt für Aufsehen sorgt, aber auch hierzulande natürlich Beachtung findet.

Hauptfigur ist der nach dem Tod seiner Familie auf Vergeltung sinnende Ex-Soldat David Collins, den Winslow auf den ersten 25-30 Seiten als tough guy der Sonderklasse charakterisiert. Der harte Hund hat zahlreiche Kriegs- und Kampfeinsätze erfolgreich absolviert, ist eine Legende in seinen Kreisen. Damit zeichnet Winslow eine Figur, die auf zahlreiche Irak und Afghanistan-Veteranen zutrifft. Die derzeitige Militär-Generation Amerikas trägt die Folgen vom Krieg gegen den Terror, leidet an den Spuren, die die Einsätze hinterließen. Mit Collins als Hauptfigur spricht der Autor neben seiner Stammleserschaft, die sowieso jedes seiner Bücher verschlingt, auch eben diese Zielgruppen an und setzt ihnen damit in gewisser Weise einen Platz als Denkmal in seinem literarischen Schaffen. Auch der harte Dave Collins trägt die Erfahrungen seiner militärischen Laufbahn mit sich herum, stillt sein immenses Sicherheitsbedürfnis nach seiner aktiven Zeit als Sicherheitschef am New Yorker JFK-Flughafen. Auch weil die Maschine, in der Frau und Kind sterben, von "seinem" Flughafen abhebt, nimmt Collins den Anschlag - abgesehen vom Verlust seiner Familie - persönlich. Winslow reduziert ihn jedoch keinesfalls auf dessen Verdienste als Soldat, sondern zeichnet ihn auch als gefühlvollen Familienmenschen, für den Ehefrau Diana und Sohn Jacke der ruhige Hafen sind, in den er nach der schlimmen Zeit gesteuert ist. Sie sind sein Anker, ein Ruhepol und nichts weniger als der Grund, seine Erlebnisse zu überwinden und in ein "normales" Leben zu finden. Nach seiner Denke macht er für sie das Land weiterhin sicherer, indem er am JFK für Sicherheit sorgt. Dieser Anker wird ihm genommen, so geht es für Dave erneut an die Front. Das alles verpackt Winslow derart plausibel, dass der Leser schnell Zuneigung zur Romanfigur aufbaut und aufgrund des breit gefächerten Charakterbildes schnell Zugang zu ihm findet und dessen Motivation und Handeln versteht.

Interessant ist Winslows Ansatz, seinen (Anti-)Helden auf eine halsbrecherische und hochriskante Mission zu senden, ohne das dessen Regierung hinter ihm steht. Collins ist Ex-Soldat, mehrfach ausgezeichnet und hoch angesehen, aus amerikanischer Perspektive ein moderner Held. Nach seiner aktiven Zeit arbeitet er akribisch als Sicherheitschef des New Yorker JFK-Flughafens. Hier ist er nicht nur nach wie vor Beschützter von Land und Landsleuten, sondern ähnlich wie zurzeit als Soldat aktiver Bekämpfer des Terrors. Die große Gefahr des Amerikas unserer Tage, das größte Thema in den USA wenn es um innere Sicherheit geht. Wer in den letzten Jahren in die USA einreisen wollte, wird die verschärften Bestimmungen kennen gelernt haben. Winslow sucht sich also kein kleines Thema aus, sticht vielmehr ins Wespennest. Daher hat auch sein Ansatz, diesen hochdekorierten Nationalhelden seiner Familie zu berauben und ihn schlichtweg ohne Rückendeckung im Regen stehen zu lassen, ordentlich Zündstoff. Denn nicht nur, dass die Regierung vertuscht, dass es sich um einen Anschlag handelt, sie ist darüber hinaus nicht gewillt, weitere militärische Auseinandersetzungen anzuzetteln. Das Image und die Kassen haben in den letzten Jahren zu sehr gelitten.

Dave steht alleine, den Verlust vor Augen, verzweifelt und bald sehr verärgert. So stellt er nach diversen Hinweisen eigene Nachforschungen an und muss erkennen, dass er sogar von seiner eigenen Regierung gehindert wird, gegen die Terroristen vorzugehen. Das ist milde gesagt ein krasses Szenario und wirft ein interessantes Licht auf die derzeitige interamerikanische Lage. Mit dem Rücken zur Wand und ohne Hilfe seines Landes besinnt sich Collins seines Werdegangs, wärmt Kontakte auf und trommelt eine Gruppe internationaler Söldner, Spitzenkräfte und die Besten ihres Fachgebietes zusammen, um mit einer Vergeltungsmission seine Auffassung von Gerechtigkeit durchzusetzen. Auge um Auge.

Winslow, dessen Werk vornehmlich und hauptsächlich an der US-Westküste angesiedelt ist, wo er heiße Thriller um Drogenkriege, mexikanische Kartelle sowie hübsche und kluge Sunnyboys und Surfergirls spielen lässt, geht mit "Vergeltung" einen anderen Weg: Der Roman ist bitterernst, oft bedrückend, erstaunlich authentisch und ein für Thriller- wie Militär- und Waffenfans reizvoller Roman. Zunächst einmal sei dem Werk bescheinigt, dass die Thrillerelemente - anders als das Werk im Allgemeinen - typisch Winslow sind. Das bedeutet in erster Linie Hochspannung sowie die genaue Schilderung von Gewalt. Diese Zutaten versteht der Autor hervorragend. Sanfte Gemüter kommen um gelegentliches Luft schnappen nicht herum. Was Winslow an situativem Drive konzipiert, ist fantastisch. Hier vergisst der Leser zeitweise den ernsten Grundton des Werkes. Hier wird er unterhalten. Und das auf einem tollen Niveau. Gleichsam zufrieden dürfen Kenner und Fans von Waffen, militärischen Missionen und Kampfeinsätzen sein. Akribisch genau beschreibt der Autor Schusswaffen und deren Wirkung, legt Reichweite und Durchschlagkraft verschiedener Modelle und Geschosse vor, erklärt Sprengstoffe und die Ausrüstung. Dies fällt mitunter umfangreich und hypergenau aus.

Diese detailreichen Passagen sind für den Durchschnittsleser eher mühevoll zu bewältigen und hemmen zeitweise den Lesefluss. Erfreulich ist, dass der Autor diese Mühe auch bei der Charakterisierung der Söldner an den Tag legt. Diese bleiben niemals geistlose Ballermänner, sondern bekommen Seele und persönlichen Hintergrund verpasst. Auch dies sorgt für Glaubhaftigkeit und fesselt den Leser im weigern Verlauf der Geschichte. Denn als Dave klar wird, dass wenn er nicht ausrückt, dies keiner macht, bekommt der Roman Zug. Nachdem die Söldnergruppe zusammengestellt ist, findet sie sich im Trainingslager ein und wächst zusammen. Die Strapazen, die Qual - körperlich wie geistig - und das Teambuilding beschreibt der Autor derart nah an den Figuren, wie er es vormals mit Dave Collins geschafft hat. Wenn die Truppe zu den ersten Einsätzen aufbricht, kümmert der Leser sich nicht bloß um die Action, sondern vornehmlich um die Menschen. "Vergeltung" zentriert Action, jedoch nicht, ohne seine Hausaufgaben in Sachen Figurenzeichnung zu machen. Wenn die Kugeln zu fliegen beginnen, zieht auch der Leser seinen Kopf ein. Was Winslow in den Action-Passagen abliefert, ist schlichtweg große Klasse. Hier steckt einiges an Situationsgespür in den Zeilen. Winslow beweist sich als grandioser Jongleur, der mit Spannung umgeht, wie ein Zirkusartist mit rohen Eiern. Jederzeit kann der große Bumms kommen, die Eier Macken bekommen, um bald nur noch ein großer Matschfleck zu sein. Auch wenn dieser neue Roman deutlich anders ist, als Winslow bisheriges Werk und zunächst anmutet wie eine Mischung aus "John Rambo" und "Zero Dark Thirty," gelingt es dem Autor, eine spannende Geschichte auf famose Weise zu erzählen, deren Figuren nicht blass beleihen und für viel Action sorgen. "Vergeltung" ist niemals triviale Ballerei.



Fazit:

"Vergeltung" von Don Winslow erzählt als Rache-Thriller die Geschichte eines Ex-Soldaten, der nach einem Attentat die verantwortlichen Terroristen jagt. Der Autor schafft nach seinen Westcoast-Thrillern um Drogenkartelle, Dealer und kriminellen Surfertypen den Schwung ins Militärmilieu ohne Probleme. Der Roman steckt voller harter und stellenweise expliziter Action, verliert aber nie seine Figuren und die Geschichte aus den Augen. Winslow beweist sein Talent für Spannung und holt einiges aus der zugegebenermaßen überschaubaren Ausgangssituation heraus. Ausufernde Passagen, in denen Waffen und Militärisches ausufernd erklärt wird, mindern den Lesefluss etwas, wobei die grandiose Spannung der geradlinige Storyverlauf den Leser stets bei der Stange hält.



Vergeltung - Don Winslow - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Don Winslow
Vergeltung - Don Winslow
Vengeance

Übersetzer: Conny Lösch
Erscheinungsjahr: 20. Januar 2014



Autor der Besprechung:
Marcus Offermanns

Verlag:
Suhrkamp

Preis:
€ 14,99

ISBN:
978-3518465004

491 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Hervorragender Thriller
  • spannend und fesselnd
  • Griffige, schnörkellose Story
Negativ aufgefallen
  • Viel Waffen- und Geschossdetails
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Rezension vom: 25.04.2014
Kategorie: Thriller
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