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Der Bischof

Story:
England, im Jahre des Herrn 1434. Schwester Frevisse muss mit einem schweren Verlust fertigwerden: Ihr geliebter Onkel, Thomas Chaucer, ist tot. Da er ein einflussreicher Mann war, ist auch seine Beerdigung ein regelrechtes gesellschaftliches Ereignis. Unter anderem erweist Bischof Beaufort, Kardinal und hochrangiger Ratgeber des Königs, Chaucer die letzte Ehre.

Auch Sir Clement Sharpe ist unter den Trauergästen. Der streitsüchtige, geradezu sadistische Mann hat sich den Hass vieler Menschen zugezogen. Aber auch den Hass Gottes? Jedenfalls fordert er während eines Zanks Gott dazu auf, ihn "binnen einer Stunde niederzustrecken", sollte er im Unrecht sein. Kurze Zeit später ist Sir Clement tatsächlich tot. Aber war es wirklich die Hand des Herrn, die ihn richtete, oder hat ein sündiger Mensch die Gelegenheit genutzt? Bischof Beaufort will Gewissheit haben und erinnert sich daran, was sein Freund Thomas Chaucer ihm über die kriminalistischen Talente seiner Nichte erzählt hatte. Schwester Frevisse hat keine andere Wahl, als dem Wunsch des Kirchenfürsten zu folgen, obwohl sie mit der Trauer um ihren Onkel und der Fürsorge für die ebenfalls trauernde Familie eigentlich vollauf beschäftigt ist.

Meinung:
Dieses Abenteuer der klugen Nonne ist etwas ungewöhnlich, und das in mehrerer Hinsicht. Zum einen führt Frevisse hier ihre Nachforschungen zum ersten Mal de facto im offiziellen Auftrag. Bisher empfanden die jeweiligen Mächtigen ihre Bemühungen im Zweifel eher als störend. Zum anderen wirkt der Roman merklich kleiner, man fühlt sich beim Lesen fast an ein Kammerspiel erinnert. Die Handlung erstreckt sich über wenige Tage und spielt (von geringfügigen Ausnahmen abgesehen) im Trauerhaushalts der Familie Chaucer. Apropos Trauer, die Emotionen, die Thomas Chaucers Tod in Frevisse auslöst, spielen eine erstaunlich große Rolle. Die Geschichte wirkt daher recht nachdenklich, beinahe kontemplativ. Wer einen spannenden, mitreißenden oder auch ausgesprochen lustigen Roman sucht, wird hier nicht fündig.

Das soll aber nicht heißen, dass "Der Bischof" kein gutes Buch wäre. Tatsächlich ist dieser Band sogar der beste bisher in der Reihe. Schwester Frevisse stand auch bisher schon im Mittelpunkt, aber in dieser Geschichte ist man als Leser sozusagen "näher dran". Der formal immer noch Erzähler in der dritten Person wirkt eigentlich eher, als würde er aus der ersten Person, aus der Sicht von Frevisse selbst, erzählen. Man erlebt mit, wie sie um ihren Onkel weint, wie sie versucht, ihren Teil zum Gelingen der Trauerfeierlichkeiten beizutragen, und wie unsicher sie ist, welches Verhalten welchem der wichtigen Gäste gegenüber angemessen ist. So findet sich der Leser von einer Geschichte gefesselt, in der so viel eigentlich gar nicht passiert, und die trotzdem zu faszinieren weiß.

Der Kriminalfall (so viel sei verraten, Sir Clement wurde nicht von der Hand Gottes höchstpersönlich gerichtet) ist geschickt konstruiert. Der heutige Leser hat anhand der geschilderten Symptome zwar schnell einen Verdacht, was die Mordmethode betrifft, aber das "Wie", "Wer" und "Warum genau" bleiben erfreulich lange in der Schwebe. Da verzeiht man den beiden Autorinnen, die sich hinter dem Pseudonym "Margaret Frazer" verbergen, auch den kleinen Rückgriff auf eines der abgenutztesten Krimi-Klischees am Ende, wenn Schwester Frevisse alle Verdächtigen versammelt, um dem Täter eine Falle zu stellen.

Die historische Einbindung ist ein weiterer Punkt, in dem dieser Roman sich als ungewöhnlich erweist. Einerseits merkt man kaum, dass die Geschichte im Mittelalter spielt. Von einigen äußeren Umständen und Requisiten abgesehen, hätten die geschilderten Ereignisse ohne größere Veränderungen von der Antike bis fast in die Gegenwart glaubhaft stattfinden können. Andererseits spielt Bischof Beaufort eine große Rolle, und dieser Charakter ist einer historischen Figur nachgezeichnet. Der "echte" Henry Beaufort war ein mächtiger Fürst, der über die Jahrzehnte in den Thronräten gleich mehrerer Könige die Fäden zog. Dieser Bezug zur "hohen Politik" wird zumindest angesprochen und gut in die Handlung eingearbeitet. Henry Beaufort war übrigens der uneheliche Sohn eines gewissen John von Gaunt, der den Lesern der Abenteuer von Sir John Cranston und Bruder Athelstan ein Begriff sein dürfte. Es ist interessant zu sehen, dass Gaunt bei seiner kurzen Erwähnung in diesem Buch merklich besser vorkommt als die doch eher unsympathische Figur, die Paul Harding in seiner Serie zeichnet.

Das große Manko besonders der ersten beiden Bände fällt in diesem, dem inzwischen vierten, kaum noch ins Auge: Sah man damals quasi noch die Baupläne durchschimmern, wurde es noch oft zu offensichtlich, was die Autorinnen durch einzelne Dinge erreichen wollten, erzählen sie jetzt einfach nur eine gute, kleine Geschichte.

Leider ist "Der Bischof" wohl schon das Ende der Serie, jedenfalls soweit es die zweite deutsche Veröffentlichung im Aufbau Verlag betrifft. Der Band erschien 2010, und seither ist weder von den weiteren Bänden der Hauptserie noch von den Abenteuern der Schauspielers Joliffe, von denen Margaret Frazer in einem Spin-Off erzählt, hierzulande etwas zu sehen. Der erste Anlauf, den in den 1990ern der Econ Verlag unternommen hatte, war immerhin auf acht Bände gekommen. Betrachtet man sich die Qualität, die die Serie in "Der Bischof" an den Tag legt, bleibt zu hoffen, dass entweder der Aufbau Verlag doch noch weitere Bände bringt oder ein anderer Verlag einen dritten Versuch startet.

Anmerkung: Die ursprüngliche Fassung dieser Rezension enthielt die unzutreffende Angabe, dass die erste deutsche Ausgabe der Serie, die in den 1990ern bei Econ erschien, nur bis Band 5 gekommen wäre. Tatsächlich erschienen seinerzeit auch die Bände 6 bis 8, "Der Dämon", "Die Priorin" und "Die Dame" auf Deutsch. Dieser Fehler wurde korrigiert.

Fazit:
"Der Bischof" ist der bisher beste Band der Abenteuer von Schwester Frevisse. Durch die starke zeitliche und örtliche Konzentration und die naturgegebene Stimmung in einem Trauerhaushalt wirkt die Geschichte fast kontemplativ, kann aber nichtsdestoweniger fesseln. Bei dieser Qualität ist es schade, dass der Aufbau Verlag die weiteren Bände zumindest bisher nicht nach Deutschland geholt hat.

Der Bischof - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Margaret Frazer
Der Bischof
The Bishop's Tale

Übersetzer: Anke Grube
Erscheinungsjahr: 2010



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Aufbau Taschenbuch Verlag

Preis:
€ 8,95

ISBN:
978-3-7466-2670-3

235 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Der bisher beste Band der Reihe, wenn auch durch eher ungewöhnliche Mittel
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 08.04.2013
Kategorie: Rezensionen
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