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Schweinkram - Zwei unziemliche Geschichten

Story:

Mrs. Donaldson erblüht

Die Witwe Mrs. Donaldson weiß nach dem Tod ihrer Familie nichts rechtes mit sich anzufangen. Eher aus Langeweile den aus Geldnot erklärt sie sich bereit mit anderen Laiendarstellern für angehende Ärzte als Patientin zu fungieren. Ein Studentenpärchen, dass sie aufnimmt, gerät in Geldnot und bietet der Witwe statt Geld an, ihr ebenfalls etwas vorzuführen. Die Laien zeigen der erstaunten Frau ein Schauspiel, das es in sich hat.

Mrs. Forbes wird behütet

Graham Forbes, gutaussehender Selfmademan und Liebling aller Schwiegermütter, überrascht seine Familie mit der freudigen Nachricht sich verehelichen zu wollen. Seine Eltern sind angesichts der wenig attraktiven und sogar älteren Frau, die er sich zur zukünftigen Mrs. Forbes erkor, nicht gerade begeistert. Zu aller Überraschung scheint die Ehe des Pärchens doch sehr harmonisch zu verlaufen. Allerdings hat Graham seine Geheimnisse.



Meinung:

Alan Bennett, Jahrgang 1934, wurde durch seine Arbeiten für Film, Fernsehen und Theater bekannt. Seit Mitte der Neunziger schreibt er zudem Prosa. Mit "Schweinkram" trifft er mitten ins Herz der kleinbürgerlichen Spießgesellschaft und erzählt rotzfreche Geschichten, die zeigen, dass gerade hinter gutbürgerlichen Wänden Sehnsüchte und Arrangements Hand in Hand gehen. Was innerhalb der vier Wände passiert, bleibt auch da. Nach außen hat halt alles perfekt zu sein.

Seine Protagonisten, die der Mittelschicht oder der Upperclass entspringen, bringt er mit überraschenden Erlebnissen dazu, sich selber bewusst zu werden, was sie wollen. Dabei spielt er mit alltäglichen Varianten des Lebens, denen er nach und nach eine neue Bedeutung gibt.

Die Witwe Donaldson hat in ihrer Ehe, in den Nächten mit ihrem Mann nicht gerade die großartige Erfüllung ihrer sexuellen Fantasien erhalten. Dies kompensiert sie nach dessen Tod mit ihrer Rolle als Schauspielerin. Hier gerät sie an Menschen, die sich sexuellen Freizügigkeiten hingeben, die sie nach und nach für sich selbst entdeckt.

Ein ganz anderes Kaliber ist da schon Graham Forbes. Um seine Homosexualität zu verschleiern, heiratet er eine unscheinbare Frau, von der er annimmt, dass sie froh ist, unter die Haube gekommen zu sein. Allerdings ist Mrs. Forbes eine intelligente Dame, die weiß was sie will. Die Eltern des Bräutigams müssen sich somit mit Beobachtungen und Vermutungen, die sie in Bezug auf ihren Sohn haben, auseinandersetzen.

Die Figuren haben alle ihre eigenen Vorstellungen von Glück und versuchen diese heimlich durchzusetzen. Vor allem sind sie immer darauf bedacht, die gutbürgerliche Fassade zu bewahren. Dies lässt sie sehr lebendig und echt wirken. Die Interaktionen der Protagonisten wirken daher sehr anschaulich und authentisch. Der Autor legt Wert darauf, dem Leser seine Haupt- und Nebenfiguren mit wenigen Worten vorzustellen. Dabei ist es vor allem interessant zu lesen, dass er nie den moralischen Zeigefinger gegen seine Darsteller erhebt. Im Gegenteil: Indem er dies unterlässt, gibt er ihnen Raum, sich zu entwickeln. Der Leser dieser Lektüre soll alleine entscheiden, welche Figuren ihm sympathisch sind.

Mit poetischen, wohl gewählten Worten wirft der Autor einen Blick hinter die kleinbürgerliche Fassade der englischen Gesellschaft. So lässt er Begehrlichkeiten, die erweckt werden oder nur verschüttet waren, sehr anschaulich vor den Augen der interessierten Leserschaft entstehen. Dabei spielt er gekonnt mit den Sehnsüchten seiner Figuren. Diese bedienen sich eines eigenen verschämten Credos. Sie leben in ständiger Angst, dass ihre Vorlieben an die Öffentlichkeit dringen.

Der Autor zerlegt mit interessanten Kniffen ein "heile Welt-Bild", das auch im wahren Leben gerne nach außen hin gezeigt wird. Wer Geschichten über die feine Mittelschicht der englischen Gesellschaft mag, wird hier mit einer Idee konfrontiert die Tabus aufbricht und die Lektüre damit zu einem amüsanten Erlebnis macht.



Fazit:

Der Autor schaut hinter die Fassade kleinbürgerlichen Spießertums und zeigt, wie sich der eine oder andere mit seinen Vorlieben und Sehnsüchten arrangiert. Wer Spaß an schlüpfrigen Geschichten aus der feinen englischen Gesellschaft hat ist hier goldrichtig.



Schweinkram - Zwei unziemliche Geschichten - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Alan Bennett
Schweinkram - Zwei unziemliche Geschichten
Smut. Two Unseemly Stories

Übersetzer: Ingo Herzke
Erscheinungsjahr: 22. August 2012



Autor der Besprechung:
Petra Weddehage

Verlag:
Wagenbach Verlag

Preis:
€ 15,90

ISBN:
978-3-8031-1287-3

144 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Sehr spezieller Einblick in die Welt der kleinbürgerlichen Gesellschaft in England
  • Schaut mit wohlgesetzten, poetischen Worten hinter die Fassade ehrbarer Familien
  • Nicht ganz alltägliche Protagonisten
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für dieses Book
Bewertung:
2
(1 Stimme)
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Rezension vom: 24.02.2013
Kategorie: Allgemeine Belletristik
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