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Schatzkammer Ozean

Story:
Sie umfassen 99 Prozent aller Lebensräume unseres Planeten, aber weniger als fünf Prozent davon sind mehr oder weniger gründlich erforscht. Schätzungen gehen davon aus, dass in ihnen noch zwischen "nur" einer Million und einhundert Millionen bislang unbekannter Arten von Lebewesen zu finden sind. Sie spielen seit Jahrtausenden eine enorme Rolle im Leben der Menschen: Die Ozeane.

In einem gigantischen Unternehmen haben 2.700 Wissenschaftler aus mehr als 80 Nationen versucht, sich mit einer Art Volkszählung einen Überblick zu verschaffen. Was lebte früher in den Weltmeeren, was lebt heute ihn ihnen und was wird möglicherweise in Zukunft in ihnen leben? Der "Census of Marine Life" nahm ein Jahrzehnt in Anspruch. Dieses Buch gibt einen Überblick über die Ergebnisse und zeigt faszinierende Einblicke in die "Schatzkammer Ozean".

Meinung:
Es ist ein Projekt, das alleine von den Zahlen her das menschliche Vorstellungsvermögen übersteigt. Neben den bereits genannten Daten seien noch einige weitere erwähnt: 650 Millionen Dollar wurden aufgewendet, um auf über 500 Einzelexpeditionen mehr als 28 Millionen Datensätze über das Leben im Meer zusammenzutragen. Den drei Autoren gelingt es jedoch, auch dem nicht vorgebildeten Leser einen Einblick in den "Census of Marine Life" zu geben. Zwei von ihnen, Gail Scowcroft und James M. Harding jr., arbeiten als Meeresforscher an der Universität von Rhode Island. Die Wissenschaftsjournalistin Darlene Trew Crist ist in der Öffentlichkeitsarbeit des Census tätig.

Wenn man das Buch in die Hand nimmt, fallen zunächst die beeindruckenden Fotos auf. Selbst wenn man am Text und dem fachlichen Inhalt in "Schatzkammer Ozean" gar kein Interesse haben sollte, bekommt man für sein Geld einen faszinierenden Bildband. Auch ansonsten kann sich die Gestaltung sehen lassen. Die Gestaltung ist sehr großzügig und gibt Abbildungen und Text reichlich Raum. Das erleichtert den Zugang, und manche Zusammenhänge werden regelrecht plastisch vor Augen geführt. Betrachtet man beispielsweise eine Weltkarte in einem der ersten Kapitel, wird so manchem Leser zum ersten Mal bewußt werden, wie winzig eigentlich selbst große Landmassen wie Indien oder ganze Kontinente wie Afrika in der Weite des umgebenden Ozeans sind.

Es wäre aber sehr schade, wenn man das Buch nicht tatsächlich lesen würde. Denn auch der Text ist faszinierend und vermittelt unzählige neue Erkenntnisse. Man spürt die Faszination der Autoren für die Welt der Meere im Allgemeinen und den Census im Speziellen. Manchmal übertreiben sie es jedoch, dann fühlt sich der Band fast wie eine Werbebroschüre für das Projekt an.

Auch wenn es sich um ein sehr komplexes Thema handelt (und selbst der gewaltige Census nur einen winzigen Einblick in das geben kann, was tatsächlich im Ozean lebt), ist auch der fachliche Inhalt sehr gut zugänglich. Die Autoren schrecken nicht davor zurück, Fachbegriffe zu verwenden, wo es angebracht ist, aber erklären diejenigen Ausdrücke, die einem nicht fachlich vorgebildeten Leser nicht unbedingt vertraut sind. Umfangreiche Erläuterungen finden in eigenen Abschnitten Platz, bei denen sich der Seitenhintergrund farblich vom Rest des Buches unterscheidet. So wird zum Beispiel auf vier Seiten das globale ozeanische Förderband erläutert, ein weltweites System von Meeresströmungen, oder auf zwei Seiten ein Überblick über die verschiedenen Zonen und Lebensbereiche im Ozean gegeben. Andere Einschübe befassen sich mit einzelnen Tiergruppen, Lebensräumen oder auch wissenschaftlichen Methoden. Trotzdem ist "Schatzkammer Ozean" kein triviales Buch. Der Leser sollte zumindest grundlegendes Interesse für das Thema mitbringen und die Bereitschaft, auch kompliziertere Zusammenhänge gedanklich nachzuvollziehen.

Wie der Census ist auch dieser Band in drei große Abschnitte unterteilt. Der erste befasst sich mit der Frage, was in der Vergangenheit im Meer lebte. Dazu haben die Forscher alte Aufzeichnungen gesichtet und befassen sich vor allem damit, wie der Mensch, etwa durch Fischerei, die marinen Lebensgemeinschaften verändert hat. Der zweite Teil steht unter der Überschrift "Was lebt im Meer?". Hier erklären die Autoren nicht nur, was das Projekt an neuen Erkenntnissen über den aktuellen Zustand der Ökosysteme gewinnen konnte, sondern stellen auch einige der dazugehörigen Methoden vor, von Tauchfahrten über das Versehen von Meerestieren mit Funksendern bis zur DNA-Analyse. Dieser Bereich ist auch quantitativ der längste im Buch. Den Abschluss bildet der Abschnitt "Was wird im Meer leben", der ein Bild einer möglichen Zukunft zeichnet.

In diesem letzten Teil wird eine weitere Eigenschaft des Bandes besonders deutlich. Den Autoren liegt nicht nur die Erforschung, sondern insbesondere auch der Schutz der Ozeane sehr am Herzen. Das merkt man dem Buch deutlich an. Wie schon in ihrer Begeisterung für das Projekt des Census of Marine Life übertreiben es Macher hier ebenfalls an einigen wenigen Stellen und geraten ins Predigen. Das bleibt aber die Ausnahme.

Angemerkt sei, dass das Buch Stand 2007 ist. Wie bei einem so umfangreichen Thema leicht vorstellbar, brauchte bereits die Arbeit an der 2009 erschienenen englischsprachigen Originalausgabe mit dem leicht uninspirierten Titel "World Ocean Census Book" ihre Zeit. Für die gelungene deutsche Übersetzung gilt das Gleiche. Der Census of Marine Life wurde im gerade ablaufenden Jahr abgeschlossen, weshalb manche Zahlen und Angaben in dem Buch nicht mehr auf dem aktuellen Stand sind. Das stört aber eigentlich nur den Fachmann, der für exakte Angaben ohnehin auf andere Literatur zurückgreifen wird.

In "Schatzkammer Ozean" sollte jeder, der sich für die Meere und die Lebewesen in ihnen begeistern kann, zumindest einmal einen Blick werfen. Die Chancen stehen gut, dass es sich lohnt.

Fazit:
Ein faszinierendes Buch über ein faszinierendes Projekt über eine faszinierende Welt. Alleine die Fotos dürften für viele schon den Preis des Buches wert sein. Nicht zuletzt dank der großzügigen optischen Gestaltung werden auch komplexere Zusammenhänge gut erfassbar dargestellt. Nur manchmal schlagen die Autoren in ihrer Begeisterung für die Ozeane, den Census of Marine Life und den Schutz der Meere etwas über die Stränge.

Schatzkammer Ozean - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Darlene Trew Crist, Gail Scowcroft, James M. Harding jr.
Schatzkammer Ozean
World Ocean Census

Übersetzer: Claudia Huber
Erscheinungsjahr: 2010



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Spektrum

Preis:
€ 39,95

ISBN:
9783827423719

254 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Beeindruckende Fotos, die für viele schon allein den Kaufpreis wert sein dürften
  • Die großzügige optische Gestaltung macht auch komplexere Zusammenhänge erfassbar
Negativ aufgefallen
  • Manchmal geht die Begeisterung mit den Autoren etwas durch
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Rezension vom: 31.12.2010
Kategorie: Natur, Wissenschaft und Technik
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