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Robert Gernhardt
Ein kurzes Portrait

Er gilt als einer der wichtigsten deutschen Dichter der Gegenwart. Er war Humorist, bevor die Comedian-Welle über Deutschland schwappte (und mit Leichtigkeit besser als jeder einzelne Tropfen dieser Welle). Er schaffte mühelos den Spagat zwischen Kalauer und Kunst, ohne im Kalauer banal, ohne in der Kunst bierernst (oder besser prosecco-ernst?) zu sein. Er konnte in seinen Gedichten ernste Gefühle wie Trauer oder Angst mit Witz und Ironie verbinden. Deutschland trauert um Robert Gernhardt.

Geboren 1937 in Reval, dem heutigem Tallin in Estland, zog Gernhardts Familie bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges nach Posen. Als sein Vater im letzten Jahr des Krieges fiel, flüchtete die Mutter mit den Kindern ins niedersächsiche Bissendorf. Nachdem Robert Gernhardt 1956 die Schule abgeschlossen hatte, studierte er Malerei und Germanistik in Stuttgart und Berlin.

Ab 1964 lebte Gernhardt in der Stadt, die seine neue Heimat werden sollte: In Frankfurt am Main wurde er Mitbegründer der Neuen Frankfurter Schule, zusammen mit Freunden wie F. W. Bernstein, F. K. Waechter, Chlodwig Poth, Eckhard Henscheid oder Hans Traxler. Einige dieser Freunde waren auch Kollegen Gernhardts beim Satiremagazin pardon, 1979 gründete man gemeinsam die Titanic. So manche Verse von Robert Gernhardt kennt das Publikum aus dem Mund eines ostfriesischen Blödelbarden. In den Achtzigern arbeitete Gernhardt als Co-Autor für diverse Shows, Bücher und Filme von Otto Waalkes.

In den neunziger Jahren begann die Welt der Kunst und des Feuilletons zu entdecken, dass hinter dem vermeintlichen reinen Schmied von Nonsens-Versen aus Frankfurt mehr steckte. Heute gilt Robert Gernhardt als einer der wichtigsten Dichter und Schriftsteller nach dem Zweiten Weltkrieg. Man verglich ihn mit Ringelnatz und Heine, die FAZ fürchtete seinen Tod mehr als den von Goethe oder Schiller. Aber auch seinem zweiten Studienfach ist er als Zeichner, Karikaturist und Maler immer treu geblieben und zeichnete unter anderem Kinder-, Katzen- und Cartoonbücher. Gernhardt wurde mit einer großen Zahl an Preisen und Auszeichnungen geehrt, darunter der deutsche Kinderbuchpreis, der Kritikerpreis der Berliner Akademie der Künste, der Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor, der Bertholt-Brecht-Preis, der Erich-Kästner-Preis, der e. o. plauen-Preis oder die Ehrendoktorwürde der schweizerischen Universität Fribourg.

Es gäbe noch viel über Robert Gernhardt zu erzählen, beispielsweise über seine K-Gedichte, in denen er seine Krebserkrankung verarbeitete. Oder über die Kinderbücher, die er mit seiner ersten Frau Almut schrieb. Oder darüber, daß der Genußmensch Gernhardt die Hälfte des Jahres in Italien zu verbringen pflegte, in seinem Haus in der Toskana. Aber am Schluss dieses kurzen Portraits eines der großen Universaltalente, an dem Deutschland sich jetzt nur noch rückblickend erfreuen kann, soll Robert Gernhardt noch einmal selbst zu Wort kommen:

Lieber Gott, nimm es hin
dass ich was Besond'dres bin

Lieber Herr Gernhardt, ich glaube, das dürfte er inzwischen erkannt haben.

Und gib ruhig einmal zu
dass ich klüger bin als du

Das können sie jetzt ja direkt mit ihm ausdiskutieren.

Preise künftig meinen Namen
denn sonst setzt es etwas
Amen.

Kein Grund für Anstrengungen, lieber Herr Gernhardt. Das tun wir freiwillig.


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Artikel vom: 30.06.2006
Kategorie: Newsartikel
Autor dieses Artikels: Henning Kockerbeck
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