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Interview mit Dr. Michael Schulte-Markwort

Wie haben Ihr persönliches Umfeld und Ihre Kollegen reagiert, als sie erfuhren, dass Sie sich intensiv mit dem Thema "Burnout" bei Kindern beschäftigen?

Allen ging es wie mir am Anfang: Skepsis und viele Fragen. Tragen wir jetzt ein Krankheitsbild aus dem Erwachsenenalter in die Kindheit hinein? Bedienen wir lediglich eine Mode? Schaden wir uns, wenn wir den Eindruck erwecken, wir bräuchten neue Diagnosen und neue Patienten? Tatsache ist, dass wir sowohl in unseren Kliniken, als auch in unserer Ambulanz zunehmend erschöpfte Kinder und Jugendliche sehen, die dringend Unterstützung und Entlastung brauchen. Nicht alle davon erfüllen die Kriterien für eine Erschöpfungsdepression, ein Burnout, aber man muss ja nicht warten, bis es so weit gekommen ist.

Immer mehr Berufsbilder und Weiterbildungsmöglichkeiten erfordern einen Abi Abschluss. Ein Notendurchschnitt über 1,5 wird als Verlust angesehen. Wie sollen Kindern und Eltern mit diesem Leistungsdruck umgehen?

Niemand wird sich diesem Leistungsdruck wirklich entziehen können, aber es macht Sinn von Beginn an jedes Kind dahingehend zu stärken, dass es seinen Weg gehen kann und wird, auch, wenn das Abitur schlechter als 1,5 wird. Neben der Leistung (die im Übrigen auch Spaß machen kann) sind im Alltag Phasen und Bereiche notwendig, in denen sich Kinder entspannen und erholen.

In Ihrem Buch schreiben Sie von Felix, welcher ein Handicap hat. Seine Lehrer sind aufgrund der aktuellen Situation im Schulsystem überfordert. Wie könnte man das verbessern?

Speziell für teilleistungsgestörte Kinder ist es notwendig, dass Lehrer mehr darum wissen, sich belesen, um dann mit individualisiertem Unterricht und spezieller Förderung bzw. einem spezifischen Nachteilsausgleich zu reagieren und dem Schüler zu helfen.

Scheidungskinder sind laut Ihren Angaben besonders anfällig für (Erschöpfungs)-Depressionen. Wie könnte man aus psychologischer Sicht hier gegensteuern?

Ich erwarte von Eltern, dass sie alles daran setzen, um ihre Ehe zumindest so lange zu erhalten, bis die Kinder erwachsen sind. Wenn das nicht geht, erwarte ich, dass sie mit Hilfe von Mediation oder anderen Strategien der Unterstützung dafür Sorge tragen, dass ich ihre Konflikte nicht unnötig auf die Kinder ausweiten.

Erschöpfung wird oftmals mit Stress gleichgesetzt. Sie empfehlen unter anderem den Terminkalender der Kinder zu entschlacken. Welche anderen Möglichkeiten sehen Sie noch, um Kinder vor Stress zu schützen?

Ich empfehle eine individuelle Analyse aller Kalender in der Familie. Wo gibt es Inseln der Gemeinsamkeit? Wo ist Eustress (guter Stress) und Erholung untergebracht? Was macht Spaß und gibt Energie? Ist das Lernverhalten des Kindes effektiv? - das sind Fragen, die Eltern und Kinder sich stellen können.

Der Weg zum psychiatrischen Facharzt oder Psychologen ist für viele immer noch eine Überwindung. Wie offen sollen Eltern oder Jugendliche damit umgehen, dass sie in Behandlung sind bzw. wie weit soll man sich seinem Umfeld öffnen?

Jedes Kind versteht heutzutage, dass man mit Fieber zum Kinderarzt und mit seelischen Problemen zum Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie geht. Von daher gilt: Transparenz, d.h. offen ansprechen, warum man sich als Eltern Sorgen macht.

Nachdem Sie sich bereits mit dem Thema Magersucht und nun dem Burnout-Syndrom beschäftigt haben, gibt es schon eine neue Richtung für die Zukunft?

Mein Eindruck ist, dass es zwei wesentliche Themen für Eltern und Kinder gibt: zum Einen die große Unsicherheit von Eltern, ob sie ihr Kind überfordern, weil sie zu viel erwarten oder ob sie ihr Kind zu sehr schützen und schonen. Zum Anderen das Thema der sensitiven Kinder und der Umgang mit ihnen, verbunden wieder mit der Frage, ob und wie weit das für jedes Kind gilt.



Special vom: 23.03.2015
Autor dieses Specials: Dominic Schlatter
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