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Weiberregiment

Story:
Das kleine, arme Land Borograwien ist von böswilligen Feinden umgeben. Würde man sonst ständig Krieg gegen sie führen? Jetzt ist auch die einzige Großmacht der Scheibenwelt, das ferne Ankh-Morpork, in den Kampf gezogen - gegen Borograwien. Aber die tapfere borograwische Armee wird jeden Gegner besiegen, und jeder sagt, dass Borograwien den Krieg gewinnt. Dafür wird schon die Herzogin sorgen; auch wenn sie seit dreißig Jahren niemand mehr in Fleisch und Blut gesehen hat, ihr Bild ist allgegenwärtig. Außerdem wäre Verzagtheit eine Abscheulichkeit vor den Augen Nuggans. Der örtliche Gott hat etwas gegen viele Dinge, darunter die Farbe Blau oder Hemden mit sechs Knöpfen. Seine Heilige Schrift ist ein Ringbuch, das regelmäßig um die neuesten Abscheulichkeiten ergänzt wird.

Auch Frauen in Männerkleidern sind eine Abscheulichkeit, aber das stört die junge Polly Perks nicht. Das Mädchen ist auf der Suche nach ihrem Bruder, der sich freiwillig zur borograwischen Armee gemeldet hat. Aber Polly hat zu viele ehemalige Soldaten gesehen, die mit weniger Körperteilen als vorher zurückgekehrt sind - wenn sie überhaupt zurückkehren. Deshalb schneidet sich Polly die Haare ab, schlüpft in eine Hose, und "Oliver" meldet sich ebenfalls freiwillig. Bei der Armee hofft sie, ihren Bruder zu finden und zurück nach Hause bringen zu können.

Aber stellt schnell fest, dass sie offenbar nicht die einzige Frau unter den neuen Rekruten ist. Und auch das Leben bei der Armee ist nicht ganz so, wie Polly es sich vorgestellt hat. Außerdem, wie viele borograwische Soldaten kämpfen eigentlich noch?

Meinung:
Mit der jungen Polly hat sich Terry Pratchett eine neue Hauptfigur und mit Borograwien einen neuen Schauplatz gesucht. Von den vertrauten Protagonisten der Scheibenwelt haben eigentlich nur Sam Mumm und einige Wächter sowie Tod kleinere Gastauftritte. So fühlt sich das Buch auch nicht so recht "scheibenweltig" an - was jedoch nicht negativ gemeint ist. Terry Pratchett hat hier eine Geschichte abgeliefert, die nicht zwangsläufig im Scheibenwelt-Universum spielen müsste, die aber trotzdem all die Qualitäten hat, die man von einem Pratchett-Roman erwarten kann. Sie ist lustig, sie ist weise und sie entlarvt viele der kleinen und großen Verrücktheiten unserer Welt, die wir gerne mit einem "Das ist eben so" abzutun versuchen.

Die Themen, mit denen sich der Autor diesmal satirisch auseinander setzt, sind klar: Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen, das Militär und der Krieg. Polly muss feststellen, dass sie in ihrer Maskerade als Mann mit der Zeit auch männlich zu denken und zu reagieren beginnt. Ist am Ende doch alles nur eine Frage der... Socken (nicht die an den Füßen)? Die höheren Offiziere haben keine Ahnung, was tatsächlich passiert; ihre Feldwebel legen ihnen die richtigen Befehle nahe oder interpretieren die falschen so, wie sie gemeint sein sollten. Und nachdem die Mädchen in Uniform enttarnt wurden, muss die Militärgerichtsbarkeit allerlei Verrenkungen vollführen, um mit dieser Entdeckung fertigzuwerden. Denn schließlich haben noch andere so ihre Geheimnisse, die bewahrt werden müssen.

Es gibt aber auch einige Aspekte, die "Weiberregiment" von den bisherigen Scheibenwelt-Romanen unterscheiden. Normalerweise ist der Tod auf der Scheibenwelt keine wirkliche Hürde, und so hat man als Leser eher selten Angst um "seine" Helden - im Zweifel kommen sie durch Magie, einen Gott oder auf anderem Wege wieder zurück. Diesmal ist das anders, diesmal ist der Leser nicht intuitiv sicher, dass für Polly und die anderen alles gut ausgehen wird. Interessanterweise gibt es trotzdem - bei einem Buch, das im Krieg spielt - am Ende eher weniger Tote als in einem durchschnittlichen Scheibenwelt-Roman. Außerdem ist "Weiberregiment" die wohl erste Geschichte der Reihe, in dem die Helden sozusagen auf der falschen Seite stehen. Hat Polly Erfolg, würde das ziemlich sicher eine Verlängerung des unsinnigen Kriegs zwischen Borograwien und mehr oder weniger dem Rest der Welt bedeuten. Kann man das wirklich als "Erfolg" bezeichnen?

Am Ende lehrt uns Terry Pratchett etwas, was auch manche Menschen in der Realität zuweilen vergessen: Veränderungen kommen nur selten über Nacht. Polly kann Borograwien nicht mal eben besser machen, kann das Land nicht in einem Ruck vom jahrhundertelang beschrittenen falschen Weg auf den richtigen Weg bringen. Derart einschneidende Veränderungen brauchen, wenn sie funktionieren sollen, Zeit. Polly kann nur einen Schritt, einen ersten Schubs geben - der Rest braucht noch viel Arbeit.

"Weiberregiment" ist ein guter Einstiegspunkt für alle, die schon immer gerne mal einen Scheibenwelt-Roman lesen wollten, aber vor der Backlist von mehr als 30 Bänden zurückschreckten. Und wenn Polly überzeugt, kann man sich ja immer noch nach und nach der Backlist nähern.

Fazit:
In "Weiberregiment" führt Terry Pratchett eine neue Hauptfigur und einen neuen Schauplatz auf der Scheibenwelt ein. Dadurch ist der Roman ein bisschen unverbunden mit dem Rest der Reihe, was ihn aber nicht schlechter macht. Es macht das Buch zu einem guten Einstiegspunkt für alle, die die Scheibenwelt bisher nur aus der Ferne verfolgt haben.

Weiberregiment - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Terry Pratchett
Weiberregiment
Monstrous Regiment

Übersetzer: Andreas Brandhorst
Erscheinungsjahr: 2006



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Goldmann Verlag

Preis:
€ 8,95

ISBN:
3-442-46195-2

416 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Eine interessante neue Hauptfigur und ein neuer Schauplatz bereichern das Scheibenwelt-Universum
Negativ aufgefallen
  • Manche Witze und Kommentare über den Unterschied zwischen Männern und Frauen sind nicht mehr ganz so frisch
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Rezension vom: 11.10.2006
Kategorie: Fantasy
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