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Das verlorene Labyrinth

Story:
Südwestfrankreich, in unserer Zeit. Die Literaturwissenschaftlerin Alice hilft einer befreundeten Archäologin bei deren Ausgrabungen. Als sie zufällig eine verborgene Höhle findet, kann sie ihre Neugier nicht bezähmen und wagt sich hinein. Sie findet eine uralte Kultstätte – und zwei Gräber. Aber nicht nur die Forscher, sondern auch die Polizei und ein geheimnisvoller Rechtsanwalt interessieren sich für ihre Entdeckung. Langsam beginnt Alice zu begreifen, daß sie mitten in die Jagd nach einem alten, mächtigen Geheimnis geraten ist. Und diejenigen, die das Geheimnis an sich bringen wollen, schrecken auch vor Mord nicht zurück.

Südwestfrankreich, zu Beginn des dreizehnten Jahrhunderts. Okzitanien, das südlichste Drittel des heutigen Frankreich, ist in dieser Zeit ein tolerantes Land. Römische Christen, Juden, Sarazenen und auch die Bon Chrétiens, heute besser bekannt als Katharer, leben friedlich zusammen. In Carcassona lebt die junge Alaïs, die Tochter des Haushofmeisters des Vicomte Trencavel. Die junge Frau kümmert sich wenig um die Regeln, die ihr Familie und Gesellschaft auferlegen wollen, und führt ein fast sorgenfreies Leben. Aber über ihr braut sich Unheil zusammen: Die römische Kirche will die Bon Chrétiens, die sie als Ketzer betrachtet, nicht länger dulden; der Papst hat bereits zum Kreuzzug aufgerufen. Eine riesige Armee ist nur noch wenige Tage von Carcassona entfernt.

Was Alaïs nicht weiß: Der drohende Krieg bringt auch etwas viel älteres, viel wertvolleres in Gefahr. Ein Geheimnis, seit Jahrtausenden streng gehütet und vor der Welt verborgen, droht in die falschen Hände zu fallen. Die junge Frau gerät mitten in die Jagd nach dem Geheimnis, und ihre Gegner sind noch brutaler, gefährlicher und skrupelloser als die fanatisierten Kreuzfahrer aus dem Norden. Alice und Alaïs, zwei Frauen getrennt durch Jahrhunderte, geraten in ein Abenteuer, das alles übersteigt, was sie sich je hätten vorstellen können.

Meinung:
Wenn Romane sich nicht für ein Genre entscheiden können, ist das normalerweise kein gutes Zeichen. Kate Mosse schafft es aber, einen historischen Roman mit einem im Heute angesiedelten Thriller zu verbinden. Beide Handlungsstränge, die Geschichte von Alice und die von Alaïs, sind gleichermaßen spannend, wozu auch die gut gewählten Übergangspunkte mit ihren Cliffhangern einen Gutteil beitragen.

Um die Spannung zu erzeugen, verläßt sich die Autorin weniger auf Action, wovon es in diesem Buch erfreulich wenig gibt. Stattdessen gibt es ein ständiges Gefühl der Bedrohung der beiden Hauptfiguren: Der Leser weiß oder ahnt zumindest, daß Alice und Alaïs in Gefahr schweben, daß jemand hinter ihnen her ist – und daß dieser Jemand nichts Gutes im Schilde führt. Dazu trägt auch bei, daß Mosse nicht gleich zu Beginn die Hintergründe und Zusammenhänge ausleuchtet, sondern ihren Lesern nach und nach immer mehr Informationen offenbart. So setzt sich Stückchen für Stückchen ein Mosaik zusammen, das einen beim Lesen bei der sprichwörtlichen Stange hält. Die beiden Erzählstränge ermöglichen auch einen kleinen Kunstgriff: Alice „erinnert“ sich an Szenen, die Alaïs am gleichen Ort widerfahren sind – die aber (noch) nicht erzählt wurden. Der Leser ahnt, daß diese Schlaglichter später nocheinmal auftauchen werden, aber er weiß nicht wann oder in welchem Zusammenhang.

Insgesamt verwebt Kate Mosse die beiden Erzählstränge immer mehr, und es wird immer deutlicher, wie parallel die Geschichten verlaufen. Viele Figuren aus Alice' Zeit haben ihre Entsprechung im Mittelalter und umgekehrt. Es ist, als gäbe es über die Zeit perpetuierte Rollen, die bei jeder Wiederholung der Ereignisse von anderen Menschen ausgefüllt werden. Auch hier ermöglichen Enthüllungen in einer Geschichte zumindest Ahnungen auf Zusammenhänge in der anderen. Gleichzeitig bleiben die Figuren trotz ihrer Rollen eigenständig, individuell und interessant.

Überhaupt sind Mosses Charaktere dreidimensional und ihre Handlungen psychologisch nachvollziehbar. Die „Bösen“ tun nicht Böses, einfach weil sie böse sind – ihre Motive, Antriebe und Ziele sind menschlich verständlich. Dabei wird die Handlung vor allem durch die weiblichen Charaktere vorangetrieben; Alice, Alaïs und beider Gegenspielerinnen sind Frauen, für die Männer bleiben fast ausschließlich Nebenrollen. Trotzdem hat das „Verlorene Labyrinth“ keine aufdringliche feministische Botschaft, die Rollenverteilung ergibt sich gewissermaßen von alleine – und natürlich auch durch die Parallelen zwischen den beiden Handlungssträngen bedingt. Nur eine Nebenrolle, der Mann, der am Ende an Alice' Seite steht, bleibt dann doch zu farblos. Es wirkt, als hätte Kate Mosse eine Entsprechung für Alaïs Gefährten noch nachträglich in den Plot eingebaut, ohne so recht Verwendung für ihn zu haben.

Ganz und gar nicht farblos wird Okzitanien, der alte Südwesten des heutigen Frankreich, geschildert. Bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts hatte Okzitanien eine eigene Kultur und eine eigene Sprache, die sich deutlich von der des französischen Nordens unterschieden. Den Albigenserkreuzzug gegen die Katharer, organisiert von Papst Innozenz III., nutze der Norden jedoch und zwang dem Süden seine Kultur und Sprache auf. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begann eine Renaissance vor allem der okzitanischen Sprache, von der nicht nur zweisprachige Straßenschilder in Carcassonne oder Carcassona, wie die Stadt auf Okzitanisch heißt, zeugen. Die Liebe von Kate Mosse zu dieser Gegend wird auch im „Verlorenen Labyrinth“ spürbar, ohne aufdringlich zu werden.

Fazit:
Kate Mosse ist es gelungen, einen historischen Roman, einen modernen Thriller und einen Mystery-Plot ganz nach dem Geschmack von „Sakrileg“-Fans zwischen zwei Buchdeckeln harmonisch zu vereinigen. Die beiden Zeitebenen und Erzählstränge ermöglichen es der Autorin, die Spannung fast durchgehend hoch zu halten, auch ohne übermäßig auf Action zurückgreifen zu müssen. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, daß hier mal nicht der männliche Held die Jungfrau in Gefahr retten muß, sondern eher umgekehrt.

Das verlorene Labyrinth - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Kate Mosse
Das verlorene Labyrinth
Labyrinth

Übersetzer: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
Erscheinungsjahr: 2005



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Droemer

Preis:
€ 22,90

ISBN:
3-426-19660-3

752 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Spannende Geschichte, verflochten über zwei Zeitebenen
  • Glaubwürdige Charaktere
  • Faszinierende Beschreibungen des südwestlichen Frankreich
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für dieses Book
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Rezension vom: 10.04.2006
Kategorie: Fantasy
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