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On the Run: Die Kriminalisierung der Armen in Amerika

Story:

Wer in Amerika schwarz und arm ist, hat ein Problem. Er wird von vorneherein als Krimineller verdächtigt bzw. rutscht sehr schnell in die Kriminalität ab. Er wird unterdrückt, auf eine perfide, legale Art und Weise.



Meinung:

Wer in den letzten Wochen aufmerksam die Nachrichten verfolgt hat, dem dürfte aufgefallen sein, dass in den USA gerade einiges los ist. Immer wieder wird die Polizeibrutaliät gegenüber den Afroamerikanern thematisiert. Was daran dran ist, kann man wunderbar in "On the Run: Die Kriminalisierung der Armen in Amerika" lesen.

Denn was die Autorin Alice Goffman niederschreibt, hat sie alles selber erlebt. Sie, eine Weiße die 1982 geboren wurde, zog zu College-Zeiten in ein Ghetto und freundete sich mit einigen der Bewohner an. Im Rahmen einer Studie beobachtete sie das, was in diesem Viertel vor sich ging und schrieb darüber ein Buch. Aktuell ist sie Assitant Professor of Sociology an der Universität of Wisconsin-Madison.

Mit diesem Buch wagt die Autorin einen gefährlichen Spagat. Einerseits berichtet sie über das Leben derer, die in den Ghettos wohnen. Andererseits will sie die Taten von diesen nicht beurteilen. Wie schwer ihr das fällt, erzählt sie im Anhang ihres Werkes.

Wenn man das Sachbuch liest, fallen einem unweigerlich Parallelen zu "The Corner" ein, das ebenfalls im Kunstmann-Verlag verlegt wurde. Da wie dort wird das Scheinwerferlicht der Erzähler auf eine Reihe von Menschen gerichtet, die am Rande der Zivilisation leben. Die mit Drogen handeln und auch davon abhängig sind. Es handelt sich um Menschen, die im Leben teilweise Pech haben.

Und dabei wirkt die Polizei tatkräftig mit. Willkürliche Durchsuchungen und Verhaftungen sind an der Tagesordnung. Wer aus diesem Viertel kommt, so die Aussage des Buches, ist automatisch verdächtig. Und so schildert Frau Goffman, wie die Furcht vor den Vertretern des Gesetzes den Alltag der Betroffenen in jederlei Hinsicht durchdringt.

Was durchaus wortwörtlich zu verstehen ist. Denn eine gewisse Paranoia hat den Alltag durchdrungen. Die Bewohner der 6th Street trauen sich gegenseitig nicht und dann wiederrum doch. Ebenso gehen sie nur ungerne in Krankenhäuser, aus Angst verhaftet zu werden. Frau Goffman liefert hierfür jede Menge Beispiele, die die Furcht zu bestätigen scheinen.

Und gleichzeitig lernt man auch jede Menge über die Bewohner des Viertels kennen. So zum Beispiel die drei Brüder Chuck, Tim und Reggie, die den Leser durch das Buch begleiten. Sie und alle anderen gehen einem ans Herz, wenn man mitkriegt, wie sie immer mehr in die Kriminalität abstürzen. Und gleichzeitig kann man es ihnen auch nicht verdenken, das ist das Schlimme. Sie stehen schon quasi von Geburt an unter Generalverdacht und müssen quasi nichts tun, um diesen zu bestätigen.

Erstaunlich ist, das was Frau Goffman im Anhang des Buches schreibt. Dieser Abschnitt, der ihre persönliche Erfahrung mit der 6th-Street - alle Namen sind Pseudonyme und es wird nie gesagt, wo die Straße liegt - schildert, ist der, der am emotionalsten ist. Einfach, weil man merkt, wie sehr sie sich mit den Bewohner der Straße identifiziert hat. Zu sehr, wie sie selber anmerkt.

Doch ist es eben diese emotionale Nähe, die das Buch so Spitzenklasse macht. Wer mehr darüber wissen möchte, wieso die Afroamerikaner sich über die Polizeigewalt beschweren, der sollte sich diesen Band zulegen und durchlesen. Man erhält einen sehr guten Eindruck über die Gründe.

Das Buch ist ein "Klassiker" und ein "Splashhit".



Fazit:

"On the Run" ist ein spannender Bericht von Alice Goffman. Die Autorin hat sich hautnahe an ihre Studienobjekte gewagt und weiß so vieles interessantes zu berichten. Viele Details darüber, wie die Polizei und die Furcht vor ihnen den Alltag der Betroffenen durchdrungen hat, lesen sich eindringlich. Und gleichzeitig wachsen einem die Bewohner ans Herz. Man kann verstehen, wieso es der Autorin damals immer schwerer fiel, sich auch auf andere Dinge zu konzentrieren, die nichts mit ihrer Studie zu tun haben. Das sie frei darüber berichtet ist umso beeindruckender.



On the Run: Die Kriminalisierung der Armen in Amerika - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Alice Goffman
On the Run: Die Kriminalisierung der Armen in Amerika
On the Run: Fugitive Life in an American City

Übersetzer: Noemi von Alemann, Gabriele Gockel, Thomas Wollermann
Erscheinungsjahr: 1. April 2015



Autor der Besprechung:
Götz Piesbergen

Verlag:
Verlag Antje Kunstmann

Preis:
€ 22,95

ISBN:
978-3-95614-045-7

368 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Eindringlich geschrieben
  • Man lebt mit den Studiensubjekten mit
  • Beschreibung, wie stark die Polizei den Alltag der Bewohner durchdrungen hat
  • Offene Beschreibung, wie das Leben der Autorin sich durch die Studie verändert hat
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 05.05.2015
Kategorie: Erlebnisberichte und Tagebücher
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