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Heimatschutz: Der Staat und die Mordserie des NSU

Story:

Über 13 Jahre lang konnte die NSU ungestört agieren. Wie konnte das geschehen? Wieso hat der Staat so versagt?



Meinung:

Im November 2011 flog die NSU auf. Und ein großes Licht wurde auf das Versagen der Behörden und Verantwortlichen geworfen. Vor allem, als dann später bekannt wurde, dass viele wichtige Akten vernichtet wurden. Stefan Aust und Dirk Laabs haben sich hingesetzt und in "Heimatschutz: Der Staat und die Mordserie der NSU" detailliert recherchiert, was in den Jahren passiert ist und wie groß das Ausmaß des Versagens ist.

Stefan Aust wurde 1946 geboren. Er war langjähriger Chefredakteur des Spiegels und des Spiegel TV Magazins. Er hat zahlreiche Fernsehdokumentationen produziert und Bücher geschrieben. Sein Buch "Der Baader-Meinhof-Komplex" ist mittlerweile das Standardwerk zur Geschichte der RAF. Seit dem 1. Januar 2014 ist er Herausgeber der Welt und der Welt am Sonntag.

Dirk Laabs wurde 1973 geboren. Er ist Autor und Filmemacher, dessen Film "Die Fremden im Paradies - Warum Gotteskrieger töten" mit dem Dokumentarfilmpreis des BR ausgezeichnet wurde. Ein Buch von ihm ist "Der deutsche Goldrausch. Die wahre Geschichte der Treuhand".

Was kann man von einem Buch erwarten, an dem so namenhafte Autoren gemeinsam geschrieben haben? Auf jeden Fall ein Werk, das gut recherchiert ist. Und ebenso ein Buch, das außerdem spannend geschrieben ist.

Stefan Aust und Dirk Laabs decken in "Heimatschutz" jede Menge Ungeheuerlichkeiten auf. Man wird aus dem Kopfschütteln nicht mehr herauskommen, weil man einfach nicht glauben will, was sich in den Jahren 1992 bis 2011 in Deutschland abgespielt hat. Es ist einfach unfassbar, wie naiv der Verfassungsschutz und die ermittelnden Behörden waren. Und was für ein Kompetenzgerangel teilweise hinter den Kulissen los war. Der Staat war leider wirklich auf dem rechten Auge blind.

Doch nicht nur die staatliche Seite wird ausgiebig dargestellt. Ebenso ausführlich beschreiben die Autoren, was sich auf der Gegenseite tat. Man erfährt vieles über die rechtsextreme Szene Deutschlands, sowie das, was Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe in den Jahren vermutlich getrieben haben. Vieles wird von den Autoren nur auf Grund von Indizien bewiesen, doch selbst das reicht aus, um Entsetzen beim Leser auszulösen. Man kann es einfach nicht glauben, dass diese drei jahrelang ungestraft ihr Unwesen treiben konnten.

Und oft genug ist es nur der Inkompetenz der Rechtsextremen geschuldet, das "nur" die NSU jahrelang ihr Unwesen treiben konnte. Dass es "nur" zu einigen wenigen Anschlägen von anderen Rechtsradikalen kam. Regelmäßig erhält man den Eindruck von einer Szene, in der viel geredet, jedoch selten etwas in die Tat umgesetzt wurde. Besonders Geldmangel war ein Problem, weshalb die NSU vermutlich so viele Banken überfiel.

Der Rechercheaufwand beim Schreiben dieses Buches muss enorm gewesen sein. Geradezu minutiös listen Stefan Aust und Dirk Laabs auf, was teilweise da überall passiert. Man wird von den Fakten förmlich erschlagen, doch wird auch klar, dass kein einziger von diesen überflüssig ist! Im Gegenteil: Gerade durch diese unglaubliche Menge kann man das Versagen der Verantwortlichen und die unglaublichen Taten auf Seiten der Rechten erst nachvollziehen!

Dabei wird auch deutlich, wie erschreckend inkompetent die einzelnen Behörden gehandelt haben. Und wie sie versucht haben, nach Aufdeckung der NSU, ihre Inkompetenz zu vertuschen. Teilweise leider erfolgreich. Und es ist erschreckend, wie sich einige von ihnen auch danach aus der Verantwortung herauslaviert haben, etwa als sie im Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages diesen auf weniger relevante Themen ablenkten und so ihre eigentliche Schuld nicht geklärt werden konnte.

Es wird wohl nie eine endgültige Aufklärung der NSU-Jahre geben. Da wird selbst der Prozess gegen Beate Zschäpe nichts ändern können. Aber mit diesem Buch haben Stefan Aust und Dirk Laabs viel dazu mit beigetragen, das zumindest teilweise Licht ins Dunkel dieser Affäre kommt. Dabei hat dieser Band das Potential zu einem Standardwerk in dieser Thematik. Und auch, wenn es ein besseres Lektorat hätte brauchen können, ist es ein "Klassiker" und ein "Splashhit".



Fazit:

Mit "Heimatschutz: Der Staat und die Mordserie der NSU" haben Stefan Aust und Dirk Laabs ein hervorragend recherchiertes Buch geschrieben. Der Band wirft einen Blick hinter die Ereignisse der NSU-Affäre und erzählt detailliert, was beim Verfassungsschutz, in der Rechtsextremen Szene und bei der NSU passiert ist. Bei letzteren basiert vieles auf Indizien, doch auch das reicht aus, um Entsetzen beim Leser hervorzurufen. Es ist einfach unglaublich, was dieses Trio ungestraft in all den Jahren machen konnte. Dabei muss der Rechercheaufwand enorm gewesen sein. Doch er hat sich gelohnt! In jeder Hinsicht.



Heimatschutz: Der Staat und die Mordserie des NSU - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Stefan Aust, Dirk Laabs
Heimatschutz: Der Staat und die Mordserie des NSU
Erscheinungsjahr: 26. Mai 2014



Autor der Besprechung:
Götz Piesbergen

Verlag:
Pantheon

Preis:
€ 22,99

ISBN:
978-3-570-55202-5

864 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Hervorragend recherchiert und geschrieben
  • Detailierte Beschreibung der Ereignisse aus Sicht des Staates, der rechtsextremen Szene und der NSU
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 25.09.2014
Kategorie: Kultur & Zeitgeschehen
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