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Hyddenworld 2: Das Erwachen

Story:
Gerade noch rechtzeitig sind Jack und Katherine nach Woolstone House zurückgekehrt: Noch im Henge, dem Tor zwischen den Welten, kommt ihre Tochter Judith zur Welt. Man sagt, sie sei die Schildmaid, die die Welt der Hydden durch kriegerische Zeiten führen soll. Dazu benötigt sie den ersten der vier legendären Edelsteine, den Stein des Frühlings. Aber auch andere sind hinter dem machtvollen Artefakt her, darunter der Kaiser der Hyddenworld, der gerade aus seinem jahrelangen Schlaf erwacht ist. Beiden Welten stehen aufregende und gefährliche Zeiten bevor.

Meinung:
"Das Erwachen" ist ein Buch, das einen in den Wahnsinn treiben kann. Auf der anderen Seite ist es eine einfach wunderbare Geschichte.

Für ersteres kann das Buch eigentlich überhaupt nichts. Denn das Problem ist eher die Hektik unseres heutigen Alltags. Wer mit diesem schnellen "Betriebstempo" an den zweiten Hyddenworld-Band herangeht, könnte verzweifeln, denn William Horwood erzählt ausgesprochen langsam. Wer mal eben zwischendrin ein Buch lesen will, ist hier mit Sicherheit verkehrt.

Wer andererseits Zeit und Muße hat, sich auf die Geschichte einzulassen, wird vielfach belohnt. Wie schon der erste Band ist "Das Erwachen" ein geradezu überquellendes Schatzkästlein. Es ist eigentlich eine schiere Untertreibung, von "der Geschichte" zu sprechen. Denn wieder erzählt Horwood gleich mehrere Geschichten auf einmal, die jede für sich einen Roman hätten füllen können. Da ist die Familiengeschichte um Jack, Katherine und vor allem die kleine - bald gar nicht mehr so kleine - Judith. Da sind die Abenteuer von Bedwyn Stort, Mister Barklice und den anderen Hydden. Storts treuer Freund und Reisebegleiter bekommt bei dieser Gelegenheit gleich eine eigene, ausführliche Hintergrundgeschichte. Da ist die Geschichte von Kaiser Slaeke Sinistral. Und da ist die Geschichte des Antihelden Witold Slew, der im kaiserlichen Auftrag hinter dem Stein des Frühlings her ist.

All das und mehr verwebt William Horwood zu einem im Doppelsinne phantastischen Ganzen. Mancher Autor hätte sich in einer solchen Fülle hoffnungslos verzettelt, aber Horwood verliert bei allen Seitenwegen und Abstechern nie das "große Ganze" aus dem Blick. Und die Schlenker, durch die er Handlung und Leser führt, sind dabei so gelungen erzählt, dass man sie ihm auch nicht übelnimmt - außer, siehe oben, man hat es gerade wiedermal ausgesprochen eilig.

Sichtbar viel Aufwand und Mühe verwendet der Autor auch auf die Charakterzeichnung. Die Ereignisse des ersten Bandes haben deren Protagonisten verändert - vergleicht man etwa den ersten Auftritt des Hochaltermanns Festoon aus "Der Frühling" mit seiner ersten Szene aus "Das Erwachen", würde man ihn kaum wiedererkennen. Diese Entwicklung setzt sich in diesem Band nahtlos fort. Wer hätte beispielsweise gedacht, dass hinter dem freundlichen, aber eher unaufälligen Mister Barklice so viel steckt? Auch diejenigen Figuren, die in diesem Buch neu eingeführt werden, werden schnell so weit ausgestaltet, dass sie dem Leser ebenso vertraut vorkommen wie die "alten Bekannten".

Auffällig dabei ist, dass es eigentlich keine wirklich "Bösen" gibt. Den Kaiser, immerhin einen der größten Gegenspieler der Protagonisten, schildert Horwood regelrecht sympathisch. Von Igor Brunte kannte man bisher nur die Seite als skrupelloser Putschist, der auch vor Mord nicht zurückschreckt, um auf der Karriereleiter nach oben zu steigen. Inzwischen hat er die Macht in Brum an sich gerissen, sich gegen das Reich gestellt und ist als Marshall ein wichtiger Verbündeter von Festoon, Master Brif und den anderen geworden. Und selbst Sinistrals Agent Slew, der im Interesse seines Auftrags routinemäßig auch völlig Unschuldige ermordet, wirkt eher wie Antiheld. Man stelle sich ein Äquivalent zu James Bond vor, der im Kalten Krieg für den KGB arbeitet. Viele Leser werden sich dabei ertappen, wie sie Slew Achtung dafür zollen, wie er alle anderen an der Nase herumführt. Und auch Judith ist nicht unbedingt durchgehend eine Sympathieträgerin. Aber man entwickelt keineswegs Abneigung gegen sie, sondern möchte sie eher an die Hand oder einfach mal in den Arm nehmen und ihr weiter auf den richtigen Weg helfen.

Für Humor, beziehungsweise den berühmten "comic relief" ist ebenfalls reichlich gesorgt. Als Beispiel genannt sei die Haushälterin Cluckett, die Stort nach einem überstandenen Abenteuer wieder gesund pflegt. Die resolute Dame will gar Storts Laboratorium aufräumen, und ihr Patient weiß sich zunächst so gar nicht dagegen zur Wehr zu setzen. Als er aber dann doch seinen Mut zusammennimmt, stößt er auf eine ganz unerwartete Seite an Cluckett. Oder wie sich Judith im Garten an Stort und Barklice heranpirscht, die eigentlich als Hydden die Meister des Verbergens sein sollten.

Vieles andere, was bereits in der Besprechung zum ersten Teil gesagt wurde, trifft auch auf diese Fortsetzung zu. Etwa gelingt es Horwood häufig, die Erwartungen auch "erfahrener" Fantasy-Leser zu unterlaufen. Die Wege, auf die er seine Figuren dann schickt, wirken dabei nicht wie "egal wie, Hauptsache *anders*", sondern stets stimmig und folgerichtig. Im Unterschied zu "Der Frühling" jedoch funktioniert das berühmte "suspension of disbelief" merklich besser. Speziell Judith wirkt, bei allem Phantastischem in ihrem Leben, wie ein wirkliches kleines Mädchen, dem man ohne weiteres an der nächsten Ecke begegnen könnte. Nichtsdestoweniger bleibt "Das Erwachen" ein wunderbares Garn, mit dem man sich an so manchem Herbst- oder Winterabend unter der warmen Decke einkuscheln kann. Und wenn man die letzte Seite umgeblättert hat und die Zeit bis zum Erscheinen des nächstes Bandes (angekündigt für das Frühjahr 2014) allzu lange wird, kann man ja diesen Band oder gleich die ersten beiden nochmals lesen. Es lohnt sich in jedem Fall.

Fazit:
Wie schon der erste Band, ist auch die Fortsetzung der Geschichten aus der Hyddenworld ein echtes Schatzkästlein wunderbarer Erzählkunst. William Horwood hat erneut einen "Schmöker" im besten Wortsinne geschaffen, dem man auch auf allen Seitenwegen und Abstechern in der Handlung gerne folgt. Nur wer in der Hektik des heutigen Alltags "mal eben schnell ein Buch lesen" will, dürfte bald dem Wahnsinn nahe sein, denn Horwood lässt sich erfreulich viel Zeit und Ruhe beim Erzählen.

Hyddenworld 2: Das Erwachen - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

William Horwood
Hyddenworld 2: Das Erwachen
Hyddenworld. Awakening

Übersetzer: Reiner Pfleiderer
Erscheinungsjahr: 2013



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Klett-Cotta

Preis:
€ 21,95

ISBN:
978-3-608-94639-0

461 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Einfach ein wunderbares Garn, in allen seinen Wendungen und (Ab-)Wegen
  • Nahezu jede Figur, mal abgesehen von den kleinsten Statisten, wird glaubwürdig erzählt und ausgebaut
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 27.10.2013
Kategorie: Fantasy
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