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Die Kuppel

Story:

Dystopien sind nicht nur eine Modeerscheinung sondern haben schon sehr lange einen festen Platz in Film, Literatur und Computer und sogar Pen & Paper Spielen. Berühmte Vertreter sind etwa George Orwells "1984", "Schöne Neue Welt" von Aldeous Huxley oder der "Herr der Fliegen" von William Golding. Der Vergleich mit Letzterem drängt sich beim Lesen des vorliegenden Romans geradezu auf.

Der Autor Peadar Ó Guilín hat bereits viele fantastische Geschichten in Online-Magazinen und Anthologien veröffentlicht. Der Roman "Die Kuppel" sorgte in England und den USA für Aufsehen und wurde nun von Bernhard Kempen ins Deutsche übersetzt.

Es war einmal ein Land…
Die Hauptfigur des Romans ist ein junger Mann mit dem treffenden Namen Stolperzunge. Immer wenn es wichtig ist, verlässt den Krieger der Mut und die rechten Worte wollen sich nicht einstellen. Trotz innerer Qualitäten, und obwohl es ihm weder an Mut noch an Geschick und Intelligenz fehlt, steht er auf Grund dieses Mankos immer Schatten seines älteren Bruders Wandbrecher. Dieser nimmt sich dem vermeidlich Schwächeren immer wieder an, bis Stolperzunge ihm eines Tages das Leben rettet und von jetzt an Wandbrecher zurück gelassen wird. Dem Protagonist gelingt das Unmögliche und er überlebt, aber zwischen den Brüdern entsteht eine Kluft…

Die Welt in der diese beiden aufwachsen und in der sich der ganze Plot abspielt funktioniert nach archaischen Gesetzen. Vereinfacht heißt es: Fressen oder gefressen werden! Die Frauen verbringen ihre Tage damit Moos zu bearbeiten und für ihre Männer eine Art Totem (Kerbholz) zu schnitzen, während diese jagen. Wer sich bei der Jagd auszeichnet, hat keine Schwierigkeiten eine Frau zu finden. Die Menschen sind umgeben von einer Unzahl verschiedenartiger Populationen unterschiedlichster Lebewesen. Nur eins haben sie alle gemeinsam: Sie sind potentielle Fleischlieferanten.

Als ob das nicht grausam genug wäre, ist es Tradition, dass sich Stammesangehörige die nicht mehr "nützlich" sind, freiwillig zum sogenannten "Fleischhandel" melden und gegen Fleisch der Bestien eingetauscht werden. Stolperzunge gilt zu Unrecht als Belastung für den Stamm, und schaut einer düsteren Zukunft entgegen.

Als zu guter Letzt auch noch die wunderschöne und zugleich unglaublich andersartige Indrani vom Himmel in das Lager der Menschen zu fallen scheint, nimmt das Schicksal seinen Lauf. Die beiden Brüder verlieben sich in die schöne Fremde und entfernen sich darüber so weit voneinander, dass sie und Stolperzunge schließlich dem Stamm den Rücken kehren und versuchen alleine zu überleben.



Meinung:

Ein grausames aber fesselndes Abenteuer
Die Geschichte um den Streit der beiden so unterschiedlichen Brüder und die Liebe eines scheinbar "Wilden" zu einer schönen offensichtlich "zivilisierten" Fremden weiß beinahe vom ersten Moment an zu fesseln.

Zunächst führt der Autor in das funktionierende wenn auch überaus blutrünstige Gesellschaftssystem ein, dass sich bei den Menschen des Stammes etabliert hat. Es wird gezeigt und erklärt, warum die Jagd den Mittelpunkt des Lebens darstellt und weshalb es aus Sicht der Wilden durchaus nachvollziehbar erscheint, "unnütze" Mitglieder des Stammes "auszusortieren". Es herrscht ständige Nahrungsknappheit und das Überleben vieler wird manchmal nur durch das Opfer einiger weniger gesichert.

Je besser man die Strukturen verstehen lernt und auch Stolperzunge und seinen Bruder Wandbrecher kennenlernt, desto mehr fallen allerdings auch Lücken auf. So ist das Leben durchsetzt von Aberglauben und Ahnenverehrung, während das Wissen nicht gemehrt wird. Unabhängig davon, welche menschlichen Schwächen Wandbrecher sonst noch hat, er scheint der erste menschliche Krieger zu sein, der seine Feinde beobachtet und sich ressourcenschonendere Jagdmethoden überlegt. Damit könnten für den Stamm völlig neue Zeiten anbrechen. aber natürlich steht die Masse der Stammesmitglieder neuem Gedankengut mehr als skeptisch gegenüber.

Und dann gibt es natürlich noch eine Frau…
Die schöne Indrani erscheint als ungeheuer großer Kontrast, in einer Welt in der alles grob und brutal zu sein scheint. Ihre Zähne sind weiß, ihre Haut glatt und schwarz. Die beiden Brüder sind sofort fasziniert von der Fremden. Natürlich fragt sich der Leser gleich, wo die Frau her kommt und so viel sei hier verraten, bis zum Schluss dieses Buches wird darauf keine befriedigende Antwort gegeben.

Wenn man die Hinweise kombiniert, ergibt sich, dass das Treiben der menschlichen Krieger von oben beobachtet wird und das die Vorfahren des heutigen Stammes sich einmal eines furchtbaren Verbrechens schuldig gemacht haben. Aber wie genau die Gesellschaft derer funktioniert, die sich als Zuschauer an einem so grausamen Schauspiel ergötzen, bleibt zumindest in diesem Teil der Geschichte vollständig im Dunklen.

Durch die Reduzierung der Umwelt und die ungewöhnlichen Umständen in denen die Hauptfiguren gefangen sind, entsteht trotz fehlender Charakterstudien im Kopf des Lesers ein genaues Bild der Protagonisten. Dadurch, wie sich Wandbrecher verhält, wenn es darum geht sein Scheitern einzugestehen oder wie sich Indrani überwindet und beginnt Stolperzunge nicht mehr nur als Wilden zu betrachten, gewinnen die Figuren an Profil. Faszinierend ist es zu beobachten, wie sich der zunächst unerfahrene Krieger im Verlauf wechselnder Umstände zu einem Anführer zu entwickeln beginnt und immer wieder über sich hinaus wächst, ohne unglaubhaft zu wirken.

Nichts für Zartbesaitete
Wie schon das eingangs erwähnte "Herr der Fliegen" so ist auch "die Kuppel" gespickt mit Szenen, die so plastisch geschildert und so gleich so grausam sind, dass man gerne weiter blättern würde. Hier scheiden sich sicher die Geister was die Qualität des Buches angeht: Natürlich tragen die Schilderungen der Jagdzüge und auch tragischen Todesfälle und die Bestien dazu bei, ein plastisches Bild einer archaischen Welt entstehen zu lassen. Zum anderen ist Weniger manchmal mehr. Die stets zweckgebundene Gewalt scheint stilistisches Mittel und keinesfalls Glorifizierung zu sein, doch die Entscheidung ob hier die persönlichen Grenzen überschritten werden, muss in letzter Instanz jeder für sich selbst fällen.



Fazit:

Die Geschichte hebt sich vom Meuchelmörder-, Tolkien-, Drachen-, Vampireinerlei ab und regt zum Nachdenken an. Spannung von der ersten bis zur letzten Seite ist garantiert, aber an der einen oder anderen Stelle wird "die Kuppel" vermutlich bei jedem Anecken.



Die Kuppel - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Peadar Ó Guilín
Die Kuppel
The Inferior / 01 The Bone Trilogy

Übersetzer: Bernhard Kempen
Erscheinungsjahr: 18.06.2012



Autor der Besprechung:
David Weigel

Verlag:
Blanvalet

Preis:
€ 9,99

ISBN:
978-3442268900

448 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Sich entwickelnde Charaktere
  • Spannende Handlung
  • Stoff zum Nachdenken (Was ist richtig?)
  • Offene Fragen am Ende des Buches...
Negativ aufgefallen
  • Teilweise überzogene Gewaltdarstellungen
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Rezension vom: 14.07.2013
Kategorie: Fantasy
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Leseprobe
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