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Bruder Cadfael 16: Bruder Cadfael und der Ketzerlehrling

Story:
Im Sommer des Jahres 1143 jährt sich wieder der Tag, an dem die Reliquien der Heiligen Winifred nach Shrewsbury kamen. Zu diesem Feiertag haben sich viele Gäste in der Abtei eingefunden, aber zwei unter ihnen eher unfreiwillig: Der Chorherr Gerbert ist in wichtiger diplomatischer Mission unterwegs, als sein Pferd lahmt und ihm zum Anhalten zwingt. Und der Kaufmann William von Lythwood kehrt von seiner Pilgerfahrt ins Heilige Land zurück – im Sarg, denn er ist auf der Rückreise einer Krankheit erlegen.

Williams letzter Wunsch war es, in dem Kloster begraben zu werden, dem er lange Jahre eng verbunden und ein großzügiger Gönner war. Aber unerwartet tut sich ein Hindernis auf, nämlich vermeintlich ketzerische Ansichten, die der Pilger vor Jahren geäußert haben könnte. Besonders der Chorherr setzt sich vehement dafür ein, dass erst geklärt werden müsse, ob der Verstorbene diese Ansichten auch wirklich abgelegt habe. Denn einen Häretiker könne man kaum die Ehre eines Grabes in der Abtei zukommen lassen.

Der junge Elave, der William auf seiner Reise begleitet und dessen Leichnam zurück nach Hause gebracht hatte, verteidigt seinen ehemaligen Herrn mit Verve. Das bringt ihn selbst in den Verdacht, Meinungen entgegen des kirchlichen Dogmas zu vertreten. Und ist er vielleicht sogar ein Mörder?

Meinung:
Nach dem weniger gelungenen Bruder Cadfael und das fremde Mädchen zeigt Ellis Peters hier wieder, warum ihre Fans die Abenteuer des Detektivs in der Mönchskutte so schätzen. Die Autorin kehrt fast vollständig wieder zum "Grundrezept" der Reihe zurück: Ein junger Mann, den Cadfael unter seine Fittiche genommen hat, gerät unter einen schrecklichen Verdacht. Und natürlich gibt es auch wieder ein hübsches Mädchen, das das Herz des angeblichen Missetäters erobert hat. Diese Zutaten werden kaum variiert, aber gleichzeitig so geschickt zu einer Geschichte verarbeitet, dass das Ergebnis durchweg überzeugt.

Gleich an mehreren Stellen spielt Peters mit den Erwartungen auch krimierfahrener Leser und enttäuscht sie auf positive Weise. Weder ist das Opfer derjenige, den man zunächst erwarten könnte – wobei diese Vermutung, gerade bei akademisch vorgebildeten Lesern, durchaus auf bestimmte Äußerungen des Doch-Nicht-Opfers zurückzuführen sein mag –, noch ist das Motiv für die Tat dasjenige, das lange Zeit im Raum steht. Stattdessen, so viel sei verraten, steckt hinter allem etwas, das die ganze Zeit eine Rolle in der Geschichte spielt, aber zunächst nicht mit dem Verbrechen in Verbindung zu stehen scheint. Dabei ergeben sowohl die falschen Spuren, die die Autorin legt, als auch die schlussendliche Auflösung Sinn.

Man könnte den Roman unter die Überschrift der Waage stellen. Viele Aspekte wurden in der passenden Dosis eingebracht und halten einander eben die Waage, keiner davon fällt unangenehm dominant auf. So wird der Held Cadfael einerseits als Inhaber überaus scharfer Sinne geschildert, seinen Augen entgeht auch nicht der kleinste Holzsplitter in einer Wunde. Auf der anderen Seite wird ihm die Bedeutung einer bestimmten Information erst klar als es schon fast zu spät ist. Der Jüngling, dessen er sich diesmal angenommen hat, wird zwar als fast zu perfekt geschildert, klug, liebenswürdig, gut aussehend, ehrenhaft. Dieses Idealbild wird dann aber wieder mit einem Hitzkopf gebrochen, der es Elave zu ausgesprochenen Dummheiten treibt, wenn er die Frau seines Herzens in Gefahr glaubt.

Der historische Hintergrund geht zum einen diesmal weit über den Lesern der Serie inzwischen vertrauten Bürgerkrieg zwischen König und Kaiserin hinaus. Ausläufer der Geschichte reichen bis in das Heilige Land oder nach Irland, es werden Namen wie Bernhard von Clairvaux oder Peter Abelard genannt, die den meisten ein Begriff sein werden. Gleichzeitig ist die Handlung auf die "kleine Welt" um die Abtei von Shrewsbury begrenzt; als ein Weg Cadfael zu einem vier Meilen entfernt wohnenden Priester führt, wird das beinahe wie eine weite Reise geschildert. Theologische Diskussionen wie die Erbsünde oder die Lehren des Kirchenvaters Augustinus spielen zwar eine wichtige Rolle in der Handlung, aber auch auf dem Gebiet nicht so beschlagene Leser können ohne Probleme folgen, und es handelt sich auch um kein Lehrbuch im Gewand eines Kriminalromans.

Positiv vermerkt sei auch, dass die Einbettung in die bisherigen Geschehnisse der Reihe wieder größeres Augenmerk erfährt. Gleich eine Reihe von Fäden aus früheren Bänden werden wieder aufgenommen, wenn auch keiner eine entscheidende Rolle in diesem Abenteuer spielt. Es ist aber schön zu sehen, dass beispielsweise die nach Vater Ailnoths Tod (siehe Mörderische Weihnacht) verwaiste Pfarre wieder besetzt wurde. Im Gegensatz zum Vorgängerband kann die Autorin die Spannung über praktisch das ganze Buch hinweg aufrechterhalten, ohne auf der anderen Seite den Bogen zu überspannen und den Leser zu "überreizen".

Manche Dinge fallen aber auch unangenehm auf oder irritieren zumindest. Einige über 15 Bände eingeführte englische Namen werden plötzlich eingedeutscht. König Stephan oder Kaiserin Mathilde mögen zwar die im hiesigen Sprachraum gebräuchlichen Namen sein, der Leser kennt sie aber als König Stephen und Kaiserin Maude. Es ist anzunehmen, dass diese Änderungen dem deutschen Übersetzer zuzuschreiben sind. Leider bleibt er aber nicht bei diesen Veränderungen. Aus Bischof Henry wird einerseits Bischof Heinrich, der "andere Henry", nämlich der Sohn der Kaiserin, bleibt bei seinem englischen Namen. Ähnliche Fälle gibt es noch eine Handvoll mehr. Dazu kommen zwei, drei Druckfehler, die teils unwillkürlich lustig sind, wenn etwa etwas wertvolles in mehrere Lagen "Wachstum" eingewickelt ist. Gemeint war wohl "Wachstuch".

Diese kleinen Fehler können den Gesamteindruck eines sehr guten historischen Krimis aber nur unwesentlich trüben.

Fazit:
Nach einem Durchhänger zeigt Ellis Peters wieder, warum die Abenteuer von Bruder Cadfael einen sehr guten Namen unter den Fans historischer Krimis haben.

Bruder Cadfael 16: Bruder Cadfael und der Ketzerlehrling - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Ellis Peters
Bruder Cadfael 16: Bruder Cadfael und der Ketzerlehrling
The Heretic's Apprentice

Übersetzer: Christel Wiemken
Erscheinungsjahr: 1993



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Heyne Verlag

ISBN:
3-453-06443-7

300 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Nach dem schwachen Vorgängerband zeigt Ellis Peters hier wieder die Qualitäten der Reihe
Negativ aufgefallen
  • Einige altvertraute englische Namen werden plötzlich eingedeutscht, andere aber nicht
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Rezension vom: 04.03.2011
Kategorie: Historisches
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