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Blade Runner / Ubik / Marsianischer Zeitsturz

Story:

Blade Runner: Androiden sind auf die Erde gelangt, und es liegt an Rick Deckard, sie aufzuhalten.

Ubik: Nach einem Attentat wird der Chef der Firma Runciter eingefroren. Doch dann beginnt die Zeit rückwärts zu laufen.

Marsianischer Zeitsturz: Auf dem Mars soll ein Gebäudekomplex gebaut werden, weshalb Spekulanten sich um die Grundstücke reißen.



Meinung:

Mit dem Film "Blade Runner" erlangte der Science Fiction Autor Philip K. Dick Weltberühmtheit. Sein gesamtes Werk wurde bekannt. Nur, dass er davon nichts hatte, da er kurz vor der Weltpremiere der Verfilmung verstarb. Er hinterließ eine große Sammlung an Werken, schaffte jedoch zu Lebzeiten niemals den Durchbruch.

Was sein Oeuvre auszeichnet ist der Zweifel an alles und jedem. Seine Romane sind keine leichte Kost, sondern werfen philosophische Fragen auf. Der Heyne Verlag, der die Lizenz an den Werken des Autors besitzt und bereits viele seiner Erzählungen hier in Deutschland publiziert hat, hat nun drei seiner Geschichten in einem Band gesammelt veröffentlicht.

Die erste Geschichte ist wohl die berühmteste des Autoren. "Blade Runner", oder wie der Titel eigentlich heißt, "Do Androids dream of electric sheep" spielt auf einer Erde, die größtenteils unbewohnbar geworden ist. Ein Teil der Menschheit ist auf den Mars ausgewandert, wo sie unterstützt von Androiden leben. Doch diese wiederum wollen zur Erde, was jedoch verboten ist. Deshalb werden diese illegalen Einwanderer gejagt und eliminiert. Rick Deckard ist jemand, der diese Tätigkeit ausübt. Eines Tages erhält er den Auftrag, eine neue Gruppe von Androiden auszuschalten. Und dieser Job bringt ihn an die Grenzen seiner Belastbarkeit.

Es ist kein Wunder, dass das Buch mit "Blade Runner" beginnt, handelt es sich doch schließlich um das bekannteste Werk des Autoren. Für Neu-Leser ist es sicherlich eine Erfahrung zu entdecken, wie sehr der Film sich von der Vorlage unterscheidet. Welche Variante besser ist, muss man für sich selbst ausmachen.

Die Story mag platt klingen, doch sind es die vielen Details, die die Geschichte so hervorragend machen. Und sie sind in vielerlei Hinsicht bedrückend. Die Menschheit auf der Erde ist im Prinzip ein Haufen emotionaler Krüppel, die Gefühle über eine Maschine künstlich hervorrufen können. Auch gibt es eine neue Religion, der nahezu alle Menschen angehören.

Doch grundsätzlich dreht sich alles um die Frage "Was ist Leben"? Immer wieder verwischt der Autor die Grenzen zwischen natürlicher und künstlicher Existenz. So hält ein Mechaniker eine sterbende Katze für eine realistische Maschine. Die Wahrheit wird erst zu spät entdeckt. Ebenso wird auch andauernd bezweifelt, ob Deckard selbst auch ein Mensch ist. Die Frage wird zwar eindeutig beantwortet, doch die Zweifel bleiben.

Deckard selbst ist ein gebrochener Held, der seine Frau betrügt und seine Arbeit macht, obwohl er weiß, das bereits jetzt die Hersteller der Androiden an Typen basteln, die sich nicht mehr von einem normalen Menschen unterscheiden lassen. Man fühlt mit ihm, trotz all seiner Fehler.

Bei "Ubik" geht es um die Frage, was real ist. Die Menschheit ist in der Lage, Sterbende einzufrieren und sich mit ihnen über einen speziellen Apparat zu unterhalten. Erzählt wird, wie auf den Chef der Anti-Mutanten Firma Runciter ein Attentat verübt wird und er daraufhin eingefroren wird. Doch etwas scheint nicht zu stimmen, denn die Zeit beginnt rückwärts zu laufen. Des weiteren werden die Zeugen des Attentats anscheinend gejagt und getötet. Und das einzige Gegenmittel gegen dies scheint eine Erfindung mit dem Namen "Ubik" zu sein.

Von den drei Romanen, die hier gesammelt wurden, ist "Ubik" vielleicht der gruseligste. Der Gedanke daran, mit erleben zu müssen, wie die Zeit rückwärts verläuft und immer mehr Erfindungen des Alltags aufhören zu existieren ruft eine Gänsehaut hervor. Man möchte nicht in der Haut des Protagonisten Joe Chip stecken, der all dies am eigenen Leib erfährt.

Und dann ist da noch dieser mysteriöse Mörder, der die anderen Überlebenden anscheinend tötet und zu Staub verwandelt. Man fragt sich, wer zu so etwas fähig ist. Die Antwort darauf ist genial und erhöht nur noch das Gefühl der Hilflosigkeit, das man beim Lesen dieser Geschichte hat.

"Marsianischer Zeitsturz" ist der normalste Roman aller drei. Hier werden keine existentiellen Fragen aufgeworfen, was jedoch kein Manko ist. Stattdessen konzentriert sich Dick darauf, den alltäglichen subtilen Rassismus einer Durchschnittsfamilie zu schildern, die statt in Amerika auf dem Mars lebt.

Die UN, die auf dem Mars das Sagen hat, will einen riesigen Gebäude-Komplex bauen. AM-WEB, kurz für "Alle Menschen werden Brüder", bekannt aus der Ode an die Freude von Friedrich Schiller, ist dann auch der Auslöser für die Ereignisse. Denn der Gewerkschaftsführer Arnie Kott, ein egoistischer Mann, der nur an sein eigenes Glück denkt, wird von einem Grundstücksspekulaten ausgestochen, als es darum geht, sich die Besitzrechte an der Parzelle Bauland zu sichern. Und so führt Arnie einen wahnwitzigen Plan aus, der ihm helfen soll, in die Vergangenheit zu reisen, und dort die Ereignisse zu seinen Gunsten zu wenden.

Auch wenn die Geschichte auf dem ersten Blick für Dicksche Verhältnisse durchschnittlich sein mag, entpuppt sie sich bei genauerem Leben als eine Art Gesellschaftsstudie. Es geht darum, den aktuellen Verhältnissen zu entkommen, sei es durch ein Verhältnis, oder durch die Idee, die Zeit selbst zu beeinflussen. Dabei wird die Handlung von Arnie Kott dominiert, der alles darauf setzt, sein persönliches Glück zu verwirklichen. Es fällt dem Leser schwer, ihn zu mögen, aber auch ihn zu hassen. Denn in seinem Egozentrismus ist er nur die Spitze einer allgemein egoistischen Gesellschaft, die hinter verschlossenen Türen über ihre Nachbarn, die Ureinwohner oder behinderte Kinder herzieht. Also all jene Personen, die sich definitiv nicht wehren werden.



Fazit:

Der Heyne Verlag hat mit der Sammlung der drei Phillip K. Dick Geschichten "Blade Runner", "Ubik" und "Marsianischer Zeitsturz" alles richtig gemacht. Die Erzählungen geben einen guten Blick auf den berühmten Autoren wieder und zeigen seine Schreibweise. Vor allem die kleinen Dinge in den Geschichten sind es, die den Leser erschüttern. Ein unbedingter Pflichtkauf!



Blade Runner / Ubik / Marsianischer Zeitsturz - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Philip K. Dick
Blade Runner / Ubik / Marsianischer Zeitsturz
Do Androids dream of electric sheep? / Ubik / Martian Time-Slip

Übersetzer: Norbert Wölfl, Renate Laux, Michael Nagula
Erscheinungsjahr: 2. Juni 2009



Autor der Besprechung:
Götz Piesbergen

Verlag:
Heyne Verlag

Preis:
€ 14,00

ISBN:
978-3-453-52583-2

848 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Drei Geschichten des Kultautors in einem Band gesammelt
  • Absolute Klassiker
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 24.12.2010
Kategorie: Science Fiction
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