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Auge in Auge

Story:
Frans Lanting, einer der renommiertesten Naturfotografen, widmet sich hier einem sehr persönlichen Thema – persönlich für diejenigen, die er fotografiert. In diesem Buch versucht er, die Verwandtschaft allen Lebens, inklusive des Menschen, erfahrbar zu machen. Auf mehr als 250 Seiten begegnet der Leser den verschiedensten Tieren, vom Schmetterling zum Elefanten, vom Buntbarsch zum Bonobo, vom Maki zum Löwen, im wahrsten Sinne des Wortes "Auge in Auge".

Meinung:
Das wichtigste Sinnesorgan des Menschen ist das Auge. Nicht nur empfangen wir rund 80% aller Sinnesinformationen darüber, auch für unsere Kommunikation nach außen, für das Übermitteln von Botschaften und Gefühlen spielt es eine enorme Rolle. Da lag es nahe, dass sich Frans Lanting bei seinem Versuch, fotografisch eine Nähe zwischen dem abgebildeten Tier und dem Betrachter zu schaffen, auf das Auge konzentrierte.

Dabei hat er, wie er in der Einleitung schreibt, einen im Vergleich zu seinen früheren Büchern gänzlich neuen Ansatz gewählt: Während er zuvor bewusst das Tier in seiner Lebenswelt darstellen wollte, nimmt er es hier gewissermaßen fotografisch aus seiner Umgebung heraus. Arten aus der ganzen Welt werden in vergleichbaren Situationen gezeigt, um "die Verwandtschaft allen Lebens zu feiern". Dabei konzentriert sich der Autor auf die Tiere und blendet ihre Umgebung weitgehend aus. Beispielsweise sind auf einem Foto die Augen einer Raubkatze so groß zu sehen, dass die Schnauze bereits nicht mehr auf dem Bild ist.

Im ersten von drei großen Abschnitten sieht der Leser die Tiere "Eins zu Eins". Lanting versucht, individuelle Persönlichkeit seiner Motive darzustellen, anschließend die emotionale Reaktion auf Kontakt – zum Fotografen oder zu anderen. Der zweite Abschnitt "Zu Zweit" will darstellen, wie aus zwei Individuen ein Paar und später Eltern werden. Unter dem Titel "Zu Vielen" schließlich widmet das Buch sich Versammlungen von Tieren, Herden, Schwärmen und anderen Tiergruppen, in denen das Individuum zu Gunsten einer Einheit aus vielen zurücktritt.

Lanting lässt seine großformatigen, oft über zwei Seiten reichenden Fotos weitestgehend für sich sprechen und erläutert nur sehr wenig. Der Text des gesamten Buches hätte auch auf eine Handvoll Seiten gepasst. Aber es steht auch nicht der Text im Mittelpunkt, sondern die Bilder. Der Leser sieht sich einer Vielzahl von Tieren "Auge in Auge" gegenüber und bekommt ein Gefühl dafür, was die Eigenheit, die "Persönlichkeit" des jeweiligen Tiers ausmacht.

Dabei sollte man sich bewusst sein, dass man es hier nicht mit einem Dokumentarband zu tun hat. Der Autor inszeniert seine Motive, arbeitet mit Kunstlicht und, wo sinnvoll, auch mit Tieren in Gefangenschaft. Außerdem dürfte sich bei jedem Biologen, der das Buch liest, eine leise Warnung im Hinterkopf melden. Nämlich die Warnung, die Tiere nicht zu vermenschlichen, nicht in ihre vermeintliche Mimik und Gestik Dinge hineinzuinterpretieren, die dort gar nicht sind. Das "Gähnen" eines Bonobo beispielsweise wirkt auf den Leser ebenso ansteckend wie es das Gähnen eines Menschen tun würde. Damit ist aber nicht gesagt, dass der Affe damit dasselbe wie ein Mensch ausdrücken wollte, oder dass er überhaupt etwas "sagen" wollte.

Das ist aber auch gar nicht der Anspruch des Buches, und es hindert auch einen fachlich vorgebildeten Leser nicht daran, Lantings Fotos einfach nur zu genießen. Der Autor gilt nicht ohne Grund als einer der besten Naturfotografen, dessen Bilder unter anderem regelmäßig in National Geographic erscheinen und der bereits eine stattliche Zahl Auszeichnungen sein eigen nennen kann. Auch mit diesem Buch, eines von einem runden Dutzend, kann er den Beweis für die Qualität seiner Arbeit antreten. In praktisch jedem Bild könnte man versinken und einfach nur die Stimmung, die Atmosphäre und die Präsenz des jeweiligen Tieres auf sich wirken lassen.

Ob Lanting in seinem Buch einen direkten "Kontakt" zu den Tieren geschaffen hat, darüber mag man streiten. Aber sei es nur, dass einige Leser aufgrund der Bilder eine größere Faszination für die Natur und eine größere Achtung vor ihr entwickeln, dann hätte "Auge in Auge" schon seinen Zweck erfüllt. Wer ein Geschenk für jemand sucht, der auch nur im Mindesten von Tieren und schönen Büchern zu begeistern ist, liegt bei diesem Fotografen selten falsch. Es kann höchstens passieren, dass der Beschenkte den Band bereits besitzt. Aber dann behält man ihn im Zweifel einfach selbst.

Fazit:
Ein ebenso opulenter wie faszinierender Bildband. Einer der besten Naturfotografen stellt dem Leser Tiere vom Buntbarsch bis zum Elefanten, vom Schmetterling zum Löwen "Auge in Auge" gegenüber. Dabei mag sich gelegentlich eine recht anthropomorphe Denkweise einschleichen, aber das Buch erhebt auch nicht den Anspruch, fachwissenschaftlich zu sein. In praktisch jedem der großformatigen Fotos könnte man als Leser versinken.

Auge in Auge - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Frans Lanting
Auge in Auge
Erscheinungsjahr: 2009



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Taschen

Preis:
€ 14,99

ISBN:
978-3-8365-0891-9

253 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Großformatige, atemberaubende Bilder von faszinierenden Tieren
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 11.10.2010
Kategorie: Natur, Wissenschaft und Technik
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