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Angelus

Story:
Die junge Evangeline ist Nonne in einem New Yorker Kloster und dort unter anderem für die Korrespondenz mit der Außenwelt zuständig. So landet auch die Anfrage von Verlaine auf ihrem Tisch: Der Kunsthistoriker sucht nach Briefen, die vor Jahrzehnten zwischen der reichen Kunstmäzenin Abigail Rockefeller und der damaligen Äbtissin des Klosters geschrieben wurden. Eigentlich sollte Evangeline seine Bitte wie alle anderen kurz abweisen, aber irgendetwas macht sie neugierig, und sie beginnt nachzuforschen.

Schnell zeigt sich, dass die umfangreiche Sammlung von Kunstwerken und Büchern zum Thema Engel, derer sich das Kloster rühmt, mehr mit der diesseitigen Welt zu tun hat, als Evangeline je ahnte. Denn die Engel sind sehr real, und es handelt sich weder um niedliche Putten noch um freundliche Schutzengel.

Die Nephilim, deren Vorfahren vor Jahrtausenden von gefallenen Engeln und menschlichen Frauen gezeugt wurden, besitzen dank des Engelsbluts, das in ihren Adern fließt, übermenschliche Fähigkeiten. Eine Eigenschaft der Menschen geht ihnen dagegen völlig ab – moralisches Empfinden. Und so sind die Nephilim über die Jahrhunderte in hohe gesellschaftliche Positionen gelangt, sind Könige, Politiker oder Wirtschaftsmagnaten. In diesen Positionen beeinflussen sie das Schicksal der Menschheit skrupellos zu ihrem Vorteil. Sie foltern, morden, zetteln Weltkriege an.

Aber eine kleine Gruppe Menschen kämpft gegen den verderblichen Einfluss der Nephelim. Die Engelsforscher, Angelologen, sammeln über die Jahrhunderte Wissen über die Engel und bekämpfen sie, so gut sie können. Besonders hinter einem Artefakt sind beide Seiten her: Eine Leier, die einst der Erzengel Michael persönlich besessen haben soll. Wer diese Leier spielt, kann dem jahrtausende alten Kampf die entscheidende Wendung geben – in die eine oder die andere Richtung.

Welche Rolle wird Evangeline in diesem Kampf spielen? Immerhin trägt sie schon seit ihrer Kindheit stets eine Kette mit einem goldenen Anhänger, den sie von ihrer Mutter geerbt hat – in Form einer Leier...

Meinung:
Der große Vampir-Hype beginnt so langsam wieder abzuflachen, und dem Vernehmen nach steht das nächste Thema bereits vor der Tür: "Engel sind die neuen Vampire" raunt es gar nicht mehr so leise durch die Welt der Bücher.

Ein Beleg für diese These kann "Angelus" aus der Feder der amerikanischen Autorin Danielle Trussoni sein. In diesem Roman sind Engel das große Thema, aber diese übernatürlichen Wesen eignen sich nicht zum Anschmachten für junge Mädchen: Sie morden, sie zetteln Kriege zum eigenen Vorteil an, sie verfügen über keinerlei Skrupel – kurz, sie sind das personifizierte Böse, ungeachtet ihres berückenden Äußeren.

Ihnen – genauer gesagt, den Nephilim, den mächtigen Nachkommen einer Verbindung aus abtrünnigen Engeln und menschlichen Frauen – stellen sich die Angelologen in den Weg. Die Bemühungen dieses Geheimbundes, die Menschheit vor den verderblichen Einflüssen der Nephelim zu schützen, schildert die Autorin in ihrer Geschichte.

Dabei spielt die Handlung weniger in unserer Zeit als die Inhaltsbeschreibung zunächst vermuten ließe. Weite Teile des Buches nehmen Rückblenden ein, Charaktere erinnern sich an ihre Abenteuer vor Jahrzehnten oder noch weiter zurück. In eine dieser großen Rückblenden fügt die Autorin sogar wiederum eine Rückblende ein, wenn die erzählende Figur den Bericht über eine angelologische Expedition aus dem 10. Jahrhundert in vollem Umfang wiedergibt.

Durch diesen Kunstgriff, einen Teil der heutigen Situationen zu präsentieren und die Lücken im Puzzle nach und nach durch das Ausleuchten der Vergangenheit aufzufüllen, gelingt es Danielle Trussoni, ihre Leser zu fesseln. Man will wissen, was sich hinter den Andeutungen und Streiflichtern verbirgt, beziehungsweise ob sich das dahinter verbirgt, was man ahnt. Auf der anderen Seite geht so ein kleines Stückchen Spannung verloren. Es ist klar, dass beispielsweise eine junge Studentin die Geschehnisse überleben wird, wenn bereits vorher im Buch von ihren Kindern und Enkeln berichtet wurde.

So setzt sich vor dem geistigen Auge des Lesers Stückchen um Stückchen das Bild eines unerbittlichen Kampfes, der fast seit Anbeginn der Zeit ausgefochten wird. Dabei sehen vor allem die Angelologen die Parteien sehr schwarz-weiß: Die Nephilim sind die Bösen, und sie sind böse, weil sie böse sind, Punkt. Und die Angelologen sind die Guten, weil sie für die gute Sache kämpfen, die schon deshalb die gute Sache ist, weil sie sich gegen das Böse richtet. Dabei sind auch die Engelsforscher ohne große Skrupel bereit, zu töten oder ihre eigenen Mitstreiter in den sicheren Tod zu schicken, wenn es ihren Zielen dient.

Diesen strikten Dualismus bricht die Autorin kaum auf; auch die Gedanken und Handlungen eines Nephilim, der in einem Teil der Kapitel als personaler Erzähler fungiert, eignen sich nur begrenzt dazu, aus der strikten Schwarz-Weiß-Zeichnung ein Bild in Graustufen zu machen. Auch die Erklärung zumindest der Figuren, wenn schon nicht der Autorin, dass Errungenschaften wie die Aufklärung oder die Naturwissenschaften nichts anderes seien als Ränkespiele der Nephelim, ihre Macht zu festigen, sorgt mindestens für ein Stirnrunzeln.

Gelungen ist die Sprache des Romans und die beinahe akademische Atmosphäre. Begriffe wie "antediluvianische Geologie" (also die Kunde der Gesteine vor der Sintflut) werden ohne weitere Erklärung völlig selbstverständlich verwendet. Das bedeutet nicht, dass man "Angelus" nur mit einem Universitätsabschluss in der Tasche lesen könnte, aber eine zu große Abneigung gegen wissenschaftliche Terminologie oder das gelegentliche Bibelzitat sollte man nicht gerade mitbringen.

Die vermeintliche Hauptfigur Evangeline bleibt zu Beginn ungewöhnlich blass. Die Autorin lässt sie weniger handeln, sondern mehr erfahren. Sie dient gewissermaßen als das Ohr, dem, gemeinsam mit dem Leser, die vorhergegangene Geschichte erzählt wird. Erst im letzten Drittel des Buches wird Evangeline zur wirklichen Protagonistin, also zur Trägerin der Handlung. Bis dahin ist sie mehr das Zentrum, um das sich im Endeffekt alles dreht, das aber selbst weitgehend stillsteht.

"Angelus" ist kein Buch für jemanden, der nach der "Twilight"-Serie neuen seicht-romantischen Lesestoff sucht. Der Roman könnte eher Fans von Christoph Marzi oder Tad Williams ansprechen, an dessen Geschichten aus den Uralten Metropolen bzw. aus Otherland sich der Leser gelegentlich erinnert fühlt. Auch wem die Romane von Kate Mosse gefallen haben, sollte einmal einen Blick in Danielle Trussonis Erstling werfen.

Fazit:
Danielle Trussoni legt hier ein beachtliches Debut vor. Ihr "Angelus" erinnert in Erzählweise und Atmosphäre gelegentlich an Autoren wie Christoph Marzi oder Tad Williams. "Angelus" ist kein Buch für zwischendurch, sondern eher etwas für den gemütlichen, ungestörten Schmökerabend.

Angelus - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Danielle Trussoni
Angelus
Angelology

Übersetzer: Rainer Schmidt
Erscheinungsjahr: 2010



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Droemer

Preis:
€ 19,95

ISBN:
978-3426198780

645 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Ein gelungenes Debut
  • Atmosphäre und Erzählstil erinnern gelegentlich an große Namen wie Tad Williams oder Christoph Marzi
  • Die ausgeprägte Verwendung von Rückblicken fesselt den Leser
Negativ aufgefallen
  • Die Angelologen und Nephilim werden stark schwarz-weiß dargestellt, Grauschattierungen gibt es fast gar nicht
  • Evangeline als Hauptfigur ist lange Zeit mehr Projektionsfläche für das Erzählen früherer Ereignisse als selbst Handelnde
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Rezension vom: 12.06.2010
Kategorie: Fantasy
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