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E-Book Reader - Gefahr oder Chance?
Der Sony Reader PRS-505

E-Book Reader - Gefahr oder Chance?
Der Sony Reader PRS-505

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Schnell wandelnde Technik

Die Medienwelt ist im ständigen schnellen Wandel begriffen. Aus Wachswalzen wurden Schallplatten, aus Schallplatten wurden CDs, mittlerweile ist Musik durch die mp3-Verbreitung völlig von einem einzelnen Trägermedium gelöst wurden. Der Filmbereich durchläuft ähnliche Veränderungen. Im Bereich der Presse gibt es kaum eine Zeitschrift oder Magazin, die ihre Inhalte zumindest auszugsweise nicht auch elektronisch im Internet anbieten.

So ist es nicht verwunderlich, dass die technische Entwicklung auch vor dem guten alten ehrwürdigen Buch nicht halt macht. Die letzte grosse "Revolution" in diesem Bereich reicht bis auf das 15. Jahrhundert zurück. Durch die Einführung des mechanischen Buchdrucks war es möglich Schriften aller Art massenhaft zu bezahlbaren Preisen zu erstellen. Natürlich wurde auch diese Technik ständig weiter entwickelt, andere Druckverfahren, veränderte Papierherstellungsmöglichkeiten, neuartige Farben und Klebemittel - aber das eigentliche Produkt hat sich kaum verändert. Am Ende stand ein Buch. Etwas zum Anfassen, zum Herumtragen, zum Ausleihen, zum Verschenken, zum Ins-Regal-stellen.

Der virtuelle Bruder des Buches

Aber auch über der bisher heilen Bücherwelt liegt seit geraumer Zeit ein dunkler bedrohlicher Schatten. Der virtuelle Bruder des gedruckten Buches ist aufgetaucht, das E-Book! Losgelöst von Buch und Papier kann Geschriebenes vertrieben und gelesen werden. Soll eine 500jährige Tradition nun mit einem Schlag beendet sein? Nun, so schnell geht es auch wieder nicht. So, wie am frühen Morgen noch weiterhin richtige gedruckte Zeitungen durch emsige Austräger in die Briefkästen gestopft werden, wird es auch weiterhin richtige Bücher geben.

Die Technik

E-Books gibt es auch schon eine ganze Weile und fristeten eine Zeit ein Nischendasein. Nach einer Standardisierung durch das pdf-Format fanden sie auch eine gewisse Verbreitung über PDAs und andere elektronische Lesegeräte. Rechtefreie Werke werden im Rahmen des Project Gutenberg seit 1971 schon in digitalisierter Form aufbereitet und verbreitet. Kostenlose und kommerzielle Leseangebote über das Internet gibt es ebenfalls schon eine Zeitlang. Verschiedene Versuche wurden gestartet, um vom Leser eine Entlohnung für das Gelesene einzutreiben, mit unterschiedlichem Erfolg. So hat Stephen King  schon im Jahre 2000 seine Erzählung "The Plant" nur kapitelweise im Internet angeboten. Die Fortsetzung gab es erst, wenn mindestens 75% der Leser ihm jeweils einen Dollar überwiesen haben *.   

Herkömmliche Displays auf LCD oder Plasmabasis haben den Nachteil, dass sie einmal einiges an Energie verbrauchen und bei Sonneneinstrahlung auf dem Bildschirm nichts mehr zu erkennen ist. Hier hatte jedes gedruckte Werk die Nase vorn, auch im schönsten Sonnenschein konnte weitergelesen werden. Das hat sich mit der Entwicklung des sogenannten Elektronischen Papier (E-Paper**) geändert. Diese Displayform ist dem Papier sehr angeglichen. Es ermöglicht die Darstellung von Bildern und Texten, es reflektiert das Sonnenlicht wie jedes Stück Papier und Strom wird nur bei einer Veränderung der Darstellung verbraucht.

Schon in den 70ern gab es bei der Firma Xerox die erste E-Paper Entwicklung. Elektrostatisch geladene Kügelchen, die auf der einen Seite weiß auf der Gegenseite schwarz waren und durch ein elektrisches Feld gedreht werden konnten, stellten so einen Text oder eine Grafik dar. Die Kügelchen wurden in den 90ern durch Mikrokapseln ersetzt in denen in gefärbtem Öl schwimmende weisse Partikel je nach Polarität an der Oberfläche blieben oder nach unten sanken und dadurch einen schwarzen Punkt auf der Oberfläche zeigten. Der Vorteil, das schwere Glas konnte durch flexibles Plastik ersetzt werden,  dadurch ist ein E-Paper auch biegsam. Auf dieser Idee, Partikel durch eine anliegende Spannung zu verändern, basieren die heutigen Entwicklungen. An ständigen Verbesserungen arbeitet eine Vielzahl von Firmen, es gibt auch schon vielversprechende Erfolge mit Farbmodellen.

Die Vorteile von E-Paper liegen auf der Hand: Gleichmässige Sichtbarkeit von allen Seiten, ein Flimmern entfällt und es wird nur Energie beim Wechseln der Anzeige verbraucht. Allerdings ist die Auflösung  noch recht gering, es gibt nur wenige Graustufen und der Anzeigewechsel ist sehr träge. Animationen und Videos sind so noch nicht möglich. Auch eine ausgereifte Farbtechnik ist noch nicht verfügbar. Die Betonung liegt bei allen Punkten auf Noch.....

Das Lesegerät von Sony

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Nach dieser langen Einführung wollen wir uns eines dieser Geräte einmal näher anschauen. Mitte März 2009 brachte die Firma Sony in Kooperation mit vielen Buchhandlungen ein Lesegerät auf den Markt: Der Reader PRS-505. Warum es nicht zu einem ansprechenden Namen mit Erinnerungswert gelangt hat, bleibt wohl das Geheimnis der Marketingabteilung von Sony. Besichtigt werden kann das innovative Gerät zum Beispiel in einer der vielen Thalia-Filialen, dort liegt der Reader flächendeckend für das interessierte Publikum zum Testen aus.

Das Gerät hat ungefähr die Grösse eines gängigen Taschenbuches, ist aber wesentlich dünner. (123,0 x 174,3 x 7,8 mm). Das Display selbst hat eine Bildschirmdiagonale von 6 Zoll. Eingepackt in ein Softcover liegt der 260g "leichte" Reader gut in der Hand. Die Probeseiten sind flimmerfrei klar und kontrastreich zu lesen, umgeblättert wird mit den entsprechenden Tasten. Dieses Umblättern erfolgt technikbedingt recht träge, die Schrift kann noch in Stufen vergrössert werden, bis 150%. Der für heutige Zeiten recht "mickrige" Speicher von 192 MB soll für ca 160 E-Books reichen. Memory Sticks (die technischen Daten beschränken die Benutzung auf Memory Stick Pro Duo) und SD Memory Karten helfen hier aber weiter, auf 16GB sollen dann ca 13.000 der elektronischen Bücher passen.

Wie kommen die Bücher auf den Reader? Über einen USB Anschluss wird das Lesegerät "betankt". Die käuflich erworbenen Werke werden über eine entsprechende Software  auf dem Rechner gespeichert und von hier aus auf den PRS-505 geladen. Laut Beschreibung ist die Library Software nicht für  Macintosh Betriebssysteme verfügbar. Hier ist zu hoffen, dass nicht nur auf das Windows-System gesetzt wird. Erfreulicherweise kann auch DRM freier Lesestoff auf Sonys Reader gepackt werden. PDF-, TXT- und Wordformate sind einige der Möglichkeiten fast jeden beliebigen Text unterwegs zu studieren. Auch Bilder können betrachtet werden, ob das bei einer Darstellung in 8 Graustufen und mässigen Auflösung von 170 Pixel/Zoll ein Genuss ist, dürfte fraglich sein. MP3 Audios können geladen und gehört werden. Eventuell dient dieses als Vorbereitung für ein späteres Feature wie bei dem Kindle von Amazon (bisher nur in den USA), der eine Vorlesefunktion der Texte anpreist. Die Rechteinhaber haben dort allerdings schon energisch protestiert, da sie um das Geschäft mit den Hörbüchern fürchten.

Als Zubehör gibt es unter anderem ein Bildschirmcover mit einer Art Leselampe und eine externe Stromversorgung. Wird der Sony Reader in ca 4 Stunden über den USB Anschluss voll aufgeladen, verkürzt sich die Ladezeit mit dem Netzteil auf 2 Stunden. Der Preis von 299 Euro wird sich sicher bei entsprechender Konkurrenz und bei Weiterentwicklungen stark nach unten bewegen. Hier werden erstmal die üblichen Käuferkreise "zuschlagen", die jedes neue Gadget unbedingt als Erste haben wollen. Auch die Preise der angebotenen E-Books bewegen sich eigentlich im Rahmen der jeweiligen gedruckten Ausgaben. Das wird ebenfalls manchen Interessierten abschrecken. Ist es doch nicht einzusehen, für ein virtuelles Werk den fast gleichen Preis wie für das entsprechende Buch zu bezahlen. Da wird dann wohl doch eher das altehrwürdige Buch mit nach Hause genommen.

Fazit

Bis die virtuelle Buchvariante die Druckerzeugnisse im grossen Stil ablösen, wird es noch eine ganze Weile dauern. Was es geben wird und auch schon gibt, ist ein Nebeneinander. Fachliteratur, Romane, auch viele Zeitungen und Zeitschriften lassen sich sicher gut auf einem handlichen Lesegerät geniessen. So macht es durchaus Sinn in den Urlaub EIN Lesegerät mitzunehmen, das viele Bücher enthält, anstatt sein limitiertes Gepäck mit schwergewichtigen Neuerscheinungen zu belasten. Aber wer wird es sich antun und einen schönen farbenfrohen Bildband über Kunst oder eine wunderbare Comicgeschichte auf einem schnöden, in der Grösse begrenzten Display zu betrachten?

Ausblick

Und die Technik wird sich weiter entwickeln. Eine funktionierende Vorlesefunktion wäre eine Wohltat für alle Sehbehinderten, eine mehrsprachige Ausgabe ist vorstellbar, die mit einigen Tasteneingaben die Sprache wechselt, ebenso das Einblenden von Zusatzinformationen, die sonst im Buch hinten in einem Index oder einem Glosssar versteckt sind. Auch preiswerte Farbdisplays wird es in der näheren Zukunft geben und die gemächliche Umschaltzeit zwischen den Zeiten wird sich ebenfalls verkürzen.

Gefahr oder Chance - Das liegt an uns, was wir daraus machen.


Weiteren Informationen zu den verschiedenen Techniken sind ua in der wikipedia zu finden

http://de.wikipedia.org/wiki/Elektronisches_Papier

http://www.heise.de/newsticker/Stephen-King-stellt-neuen-Roman-kapitelweise-ins-Internet--/meldung/10783
** Die Bezeichnung E-Paper wird auch für elektronische Zeitungen benutzt.

Unter den Links sind die technischen Details aufgelistet zu finden

http://www.sony.de/hub/reader-ebook
http://www.thalia.de

Abbildungen des Gerätes vom Hersteller, Presseinformationen




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Artikel vom: 30.03.2009
Kategorie: Newsartikel
Autor dieses Artikels: Rolf Niemann
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